Fall Litwinenko
Bye-bye, Scotland Yard!

Russland hat die Ermittlungen Großbritanniens im Fall des ermordeten russischen Regimegegners Alexander Litwinenko in Moskau offiziell für beendet erklärt. Britische Zeitungen berichteten, viele Fragen seien trotzdem ungeklärt – sie seien gar nicht erst gestellt worden.

HB MOSKAU. Die russische Generalstaatsanwaltschaft teilte am Dienstag mit, die Beamten von Scotland Yard hätten bei den Zeugenbefragungen „Antworten auf die Fragen erhalten, die sie interessierten“. Die Briten waren am 4. Dezember nach Moskau gekommen. Ihr Interesse galt vor allem den Schlüsselzeugen Andrej Lugowoi und Dmitri Kowtun. Die beiden russischen Geschäftsleute hatten Litwinenko am 1. November in London getroffen. Litwinenko war unter noch nicht geklärten Umständen vermutlich bei dieser Begegnung eine tödliche Dosis der giftigen radioaktiven Substanz Polonium 210 verabreicht worden. Er starb daran am 23. November.

Die russische Justiz übergab den Briten am Dienstag Mitschriften und Tonbandprotokolle der Befragungen. Nach offizieller russischer Darstellung bedankten sich die Briten bei ihren Moskauer Kollegen für die Unterstützung. Bei den Befragungen der Zeugen hatten nach vorheriger Vereinbarung die russischen Ermittler die Fragen gestellt, die Briten durften lediglich zuhören. Dabei seien viele der von britischer Seite erbetenen Fragen nicht gestellt worden, berichteten Medien in London. Großbritannien habe dies jedoch nicht öffentlich gemacht, um einen diplomatischen Skandal zu vermeiden.

Zu den Befragten gehörte Dmitri Kowtun, ein Kontaktmann von Litwinenko. Der radioaktiv verstrahlte Kowtun wird in einem Moskauer Krankenhaus behandelt. Er hatte Litwinenko Mitte Oktober und am 1. November in einem Londoner Hotel getroffen – der russische Ex-Spion erkrankte unmittelbar nach dem zweiten Treffen und starb drei Wochen später an einer Polonium-Vergiftung. Die deutschen Ermittlungsbehörden wiesen Polonium-Spuren an mehreren Orten in Hamburg nach, an denen sich Kowtun Ende Oktober aufgehalten hatte.

Vier weitere Personen positiv auf Polonium-210 getestet

Unterdessen wurden im Zuge der Ermittlungen vier weitere Personen positiv auf das radioaktive Polonium-210 getestet worden. Wie die britischen Gesundheitsbehörden am Dienstag mitteilten, wurden die erhöhten Werte bei drei Angestellten zweier Londoner Hotels gemessen. Die Behörden in Stockholm gaben bekannt, dass auch bei einem schwedischen Touristen Polonium gefunden worden sei. Der Wert sei sehr gering, so dass die Verstrahlung theoretisch auch durch Rauch oder Nahrung erfolgt sein könne, hieß es. Die betroffene Person habe vor kurzem eines der Londoner Hotels besucht, in denen das radioaktive Element gefunden wurde.

Damit sind Spuren von Polonium 210 bei insgesamt neun Mitarbeitern von zwei Londoner Hotels entdeckt worden, in denen der frühere Geheimdienstmitarbeiter russische Kontaktpersonen getroffen hatte. Nach Angaben der britischen Gesundheitsbehörden vom Dienstag ist die Gesundheit der neun Hotelangestellten nicht akut gefährdet, langfristig sei das Risiko einer Erkrankung wahrscheinlich sehr gering. Gleiches gelte für Litwinenkos Frau, bei der Tests ebenfalls Polonium-Rückstände ergaben.

Der Putin-Kritiker Litwinenko hatte den russischen Präsidenten auf dem Sterbebett beschuldigt, seine Ermordung befohlen zu haben. Der mysteriöse Todesfall hatte Spekulationen über das Motiv für die Vergiftung Litwinenkos ausgelöst und die Beziehungen zwischen Russland und Großbritannien belastet. Die Mutmaßungen reichten von einem Auftragsmord an einem unliebsamen Kritiker über eine Geheimdienst-Fehde bis hin zu Berichten, Litwinenko habe hochrangige russische Vertreter erpressen wollen. In die Ermittlungen haben sich mittlerweile deutsche und britische Kriminalbeamte sowie die internationale Polizeibehörde Interpol eingeschaltet.

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