Fall Litwinenko
Der Spion, der jetzt schweigt

Aus dem mutmaßlichen Mord an Alexander Litwinenko, ist eine der größten Ermittlungen in der Geschichte von Scotland Yard geworden. Auch zehntausende Fluggäste betrifft der Fall: Sie saßen in Jets, in denen wohl Spuren von Polonium 210 gefunden wurden – der radioaktiven Substanz, die den Ex-Spion tötete.

HB LONDON. Eine Woche ist der Kreml-Kritiker Alexander Litwinenko nun tot. Gestorben am Abend des 23. November um 21.21 Uhr auf der Intensivstation des University College Hospital in London an einer Vergiftung durch die radioaktive Substanz Polonium 210. Aber das war es dann auch fast schon mit den Fakten. Auf die meisten Fragen gibt es in dieser rätselhaften Affäre auch nach einer Woche noch keine Antworten. Wann genau wurde der ehemalige russische Geheimagent vergiftet? Wo? Wie? Und vor allem: Von wem und warum?

Tag zu Tag liefert der Fall Stoff für neue Spekulationen. Auch die Ausmaße werden mit jeder Wendung größer. Jetzt sollen sich sogar 33 000 Passagiere und 3 000 Angestellte der Fluggesellschaft British Airways in ärztliche Behandlung begeben, weil in zwei Maschinen Spuren einer radioaktiven Substanz entdeckt wurden – vermutlich Polonium 210.

Die jüngste Spur lenkt den Verdacht wieder Richtung Moskau. Bislang waren die Ermittler vor allem damit beschäftigt, die Wege Litwinenkos am 1. November nachzuvollziehen – der Tag, an dem er vermutlich Opfer eines Giftanschlags wurde. Die Spur des Exil-Russen führte durch den Londoner Nobelstadtteil Mayfair, wo an insgesamt vier Adressen radioaktive Spuren entdeckt wurden: in der Sushi-Bar „Itsu“, im „Millennium Hotel“, in Büros des russischen Milliardärs Boris Beresowski sowie bei einer Sicherheitsfirma namens Erinys. All dies waren Orte, an denen sich Litwinenko an jenem schicksalhaften Tag selbst aufgehalten hatte. Auch die Spuren in seiner Wohnung sowie den beiden Kliniken, in denen er behandelt wurde, lassen sich so erklären: Wenn jemand Polonium 210 im Körper hat, wird dies beispielsweise über Schweiß ausgeschieden.

In einem Flugzeug jedoch saß der 43-Jährige in seinen letzten Tagen nicht. Also vermuten die Ermittler, dass die radioaktiven Spuren in den beiden BA-Maschinen (eine dritte Boeing 767 muss noch getestet werden) von Litwinenkos Kontaktmännern stammen könnten – aber vielleicht auch von einem Täter. Bekannt ist, dass sich der ehemalige KGB-Mann im „Millennium Hotel“ auch mit zwei Russen getroffen hat, die inzwischen wieder in Moskau sind. Die Beiden streiten jede Beteiligung an einem Komplott allerdings ab.

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