Fall Litwinenko
Hamburger möglicherweise verstrahlt

Dimitri Kowtun, Kontaktmann des verstorbenen russischen Ex-Spions Alexander Litwinenko, hat bei seinem Hamburg-Besuch vor wenigen Wochen nicht nur Polonium-Spuren an Gegenständen hinterlassen: Seine Ex-Frau, ihre beiden Kinder und ihr Lebensgefährte liegen mit Verdacht auf Verstrahlung in einer Klinik.

HB HAMBURG. Das erklärte der Leiter der Sonderkommission „Dritter Mann“, Thomas Menzel, am Montag in Hamburg. Die vier Personen würden im Regionalen Strahlenschutzzentrum Nord - der nuklearmedizinischen Abteilung des Krankenhauses Hamburg-St. Georg - untersucht. Bei allen seien Anzeichen für eine Kontamination festgestellt worden. Ob sie Polonium 210 in den Körper aufgenommen hätten, werde noch untersucht. Die Kinder sind ein und drei Jahre alt.

Dimitri Kowtun war am 28. Oktober in Hamburg angekommen und hatte bei seiner 31 Jahre alten Ex-Frau übernachtet, bis er am 1. November nach London weiter reiste. Dort traf Kowtun an diesem Tag im Hotel „Millennium“ Litwinenko. Dieser wurde am 1. November nachweislich mit Polonium vergiftet und starb wenige Tage später in einem Krankenhaus der britischen Hauptstadt. Kowtun ist offenbar selbst mit Polonium vergiftet. Er wird in einem Moskauer Krankenhaus behandelt, wo er bereits von russischen und britischen Kriminalbeamte befragt wurde.

Deutsche Ermittler hatten bereits am Sonntag den Fund von mehreren Spuren von Polonium 210 im Großraum Hamburg bestätigt. Nach ihrer Ansicht könnte Kowtun als Täter in Frage kommen. Am Montag traf ein Beamter von Scotland Yard in London in Hamburg ein, um bei den Ermittlungen Unterstützung zu leisten. Litwinenko hatte vom Sterbebett aus dem russischen Präsidenten Wladimir Putin vorgeworfen, seine Ermordung befohlen zu haben. Die russische Regierung hat eine Verwicklung in den Tod Litwinenkos zurückgewiesen.

Britische und russische Behörden ermitteln mittlerweile wegen Mordes. Die Ermittler befragten am Montag einen weiteren Schlüsselzeugen in dem Fall. Der Unternehmer und frühere Ex-Spion Andrej Lugovoj sagte nach einer Meldung der russischen Nachrichtenagentur Itar-Tass, er habe „als Zeuge“ ausgesagt. Russische Ermittler hätten die Befragung im Beisein der britischen Kollegen durchgeführt. Das Verhör habe mehr als drei Stunden gedauert. Lugowoj war bei dem Treffen Litwinenkos mit Kowtun in London dabei. Auch Lugowoj wird wegen Vergiftungserscheinungen medizinisch behandelt.

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