Fall Litwinenko
Russische Justiz lässt britische Ermittler auflaufen

Eine enge Zusammenarbeit hatte Russland den britischen Behörden nach dem Tod des Ex-Agenten Aleander Litwinenko angeboten. Voller Hoffnung kamen Londoner Ermittler dann am Montag in Moskau an - um wenige Stunden später gleich das Wort „Njet“ zu hören zu bekommen.

HB MOSKAU. Russische Strafanstalten weigerten sich, einer Befragung des inhaftierten Ex-Spions Michail Trepaschkin zuzustimmen. Er gilt als einer der Informanten, die den Ermittlern auf eine heiße Spur bringen könnten. Trepaschkin hatte in einem Brief behauptet, Russland habe eine spezielle Agentengruppe gebildet, um Litvinenko und andere Regierungskritiker zu töten. Er ist wegen Geheimnisverrats im Gefängnis.

Ein Sprecher der Strafanstaltsbehörde erklärte einem Agenturbericht zufolge, Russland werde niemanden, der wegen des Verrats von Staatsgeheimnissen inhaftiert ist, ein Treffen mit ausländischen Behördenvertretern erlauben. Vertraute Litvinenkos hatten die britischen Ermittler zuletzt aufgefordert, Trepaschkin zu befragen, da er substanzielle Informationen habe.

Auch ein geplantes Treffen mit einem anderen, möglicherweise wichtigen Zeugen schien am Dienstag in Frage gestellt: Der ehemalige russische Geheimdienstagent Andrej Lugowoi, den die Briten befragen wollten, begab sich laut einem Bericht der Zeitung „Kommersant“ ins Krankenhaus. Es sei nicht klar, ob er zu einem Gespräch zur Verfügung stehen würde, zitierte die Zeitung am Dienstag den Anwalt Lugowois. Der Ex-Agent hatte Litvinenko am 1. November in London getroffen, unmittelbar vor dessen Erkrankung.

Nach einer Untersuchung in der vergangenen Woche erklärte Lugowoi laut „Kommersant“ zunächst, bei ihm sei keine Verstrahlung festgestellt worden. In dieser Woche habe er sich aber zusammen mit seiner Frau und drei Kindern zu weiteren Untersuchungen in eine Klinik einweisen lassen.

Vier britische Ermittler, darunter eine Frau, wurden am Montagabend von Botschaftsvertretern in Moskau empfangen. Einer Sprecherin der britischen Botschaft zufolge werden die Kriminalbeamten in Russland bleiben, bis ihre Untersuchungen abgeschlossen sind. Einzelheiten nannte sie nicht. Großbritanniens Innenminister John Reid hatte erklärt, dass die Ermittlungen unabhängig von diplomatischen oder anderen Erwägungen fortgesetzt würden. Russlands Außenminister Sergej Lawrow sagte, der Fall sei unverhältnismäßig aufgebauscht worden. Dies sei inakzeptabel und schade den russisch-britischen Beziehungen.

Litvinenko starb am 23. November in einem Londoner Krankenhaus, in seinem Körper wurde das radioaktive Isotop Polonium-210 nachgewiesen. Von der Substanz werden weltweit nur wenige Gramm pro Jahr in kerntechnischen Anlagen künstlich hergestellt - darunter in Russland. Auf dem Sterbebett hatte der 43-jährige frühere KGB- und FSB-Agent Litwinenko die russische Regierung für seinen Tod verantwortlich gemacht.

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