Fall Michael Brown
Missouri verhängt den Notstand

Bald soll eine Jury entscheiden, ob der Polizist vor Gericht gestellt wird, der den Jugendlichen Michael Brown erschossen hat. Die Polizei rechnet mit neuen Unruhen, doch dieses Mal will sie besser damit umgehen.
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St. Louis/Ferguson Aus Angst vor neuen Unruhen in Ferguson und St. Louis hat der Gouverneur im US-Staat Missouri, Jay Nixon, den Notstand ausgerufen und die Nationalgarde aktiviert. Sie soll die Polizei bei drohenden neuen Protesten unterstützen, teilte Nixon am Montag mit. Die Region bereitet sich wegen der bevorstehenden Entscheidung über die Anklage gegen den weißen Polizisten Darren Wilson auf Spannungen vor.

Brown war unbewaffnet, als er von dem Polizisten erschossen wurde. Hintergrund war offenbar, dass der Beamte den Jugendlichen wegen eines Raubüberfalls kurz zuvor verdächtigt hatte. Die tödlichen Schüsse hatten bereits lange vorhandene Spannungen zwischen Schwarzen und Weißen in Ferguson zum Überkochen gebracht. Zwei Drittel der Bevölkerung dort sind Schwarze, die Polizisten fast alle weiß.

Die Entscheidung der zwölfköpfigen Geschworenenjury, ob Wilson angeklagt und ein Gerichtsverfahren eröffnet werden soll, könnte bereits diese Woche fallen. „Alle Menschen in der Region um St. Louis verdienen es, sich in ihren Gemeinden sicher zu fühlen und ihre Stimmen ohne Angst vor Gewalt oder Einschüchterung zu erheben“, erklärte Nixon.

Einen Tag nach dem Tod Browns kam es zu den ersten Krawallen und Plünderungen. Die Polizei setzte Panzerfahrzeuge und militärische Ausrüstung ein, was ihr den Vorwurf einbrachte, zu einer weiteren Eskalation beigetragen zu haben. Die Demonstranten warfen in den folgenden Tagen unter anderem mit Steinen und Molotow-Cocktails auf die Polizisten, diese reagierten mit Tränengas und Gummigeschossen.

Auch im August hatte Gouverneur Nixon den Notstand verhängt und schließlich die Nationalgarde aktiviert. Wie viele Nationalgardisten diesmal zum Einsatz kommen sollten, sagte er nicht. Sie sollten auf Anfrage der Polizei „Leben und Besitz schützen“, sagte Nixon.

Der Bürgermeister von St. Louis, Francis Slay, sagte, er begrüße die Mobilisierung der Nationalgarde. Sie werde eine „sekundäre Rolle“ einnehmen und könnte etwa an Einkaufszentren oder Verwaltungsgebäuden stationiert werden.

Michael Browns Eltern riefen vor wenigen Tagen bereits zur Ruhe auf. „Im Namen der Brown-Familie dulden wir keine Randale, Plünderungen oder Gewalt“, sagte der Anwalt der Browns, Anthony Gray. Die Gerechtigkeit im Fall Brown müsse „aufmerksam, friedlich, ruhig und würdevoll“ eingefordert werden - auch nach Entscheidung der Geschworenenjury. Die Brown-Familie folge der Haltung von Jay Nixon, dass Gewalt nicht hingenommen werde.

Polizisten nahe Ferguson seien kürzlich extra für den Umgang mit Demonstranten geschult worden, sagte Nixon. Anwalt Gray kritisierte Nixons einseitige Verurteilung der Protestler und rief die Strafverfolger dazu auf, sich ebenfalls zurückzuhalten. Benjamin Crump, ein weiterer Anwalt der Brown-Familie, bezeichnete die bevorstehende Entscheidung der Jury unabhängig von ihrem Ergebnis als „entscheidenden Moment in der Geschichte des Staates Missouri“.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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