Fall Snowden
Obama soll Absage seines Russland-Besuchs erwägen

Der von den USA gejagte Informant Snowden soll weiterhin auf einem Moskauer Flughafen festsitzen - eine Strapaze für die bilateralen Beziehungen. Lateinamerikas Staaten beraten den Fall am Dienstag.
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Moskau/HavannaDas wochenlange Versteckspiel des flüchtigen US-Geheimdienstspezialisten Edward Snowden belastet zunehmend das Verhältnis zwischen den USA und Russland. US-Präsident Barack Obama drohe mit der Absage des langerwarteten Spitzentreffens mit Kremlchef Wladimir Putin in Russland Anfang September, berichtete die Moskauer Zeitung „Kommersant“ am Montag.

Falls sich Snowden dann noch immer im Transitbereich des Moskauer Flughafens Scheremetjewo aufhalte, wolle Obama auch nicht zum folgenden G20-Gipfel am 5./6. September nach St. Petersburg reisen. Das schrieb das Blatt unter Berufung auf Quellen im US-Außenministerium.

Der Kreml widersprach. Die Vorbereitungen für den Obama-Besuch liefen auf Hochtouren, sagte Putins Sprecher Dmitri Peskow. Auch der US-Botschafter in Moskau, Michael McFaul, teilte mit, er sei mit den Vorbereitungen „beschäftigt“. „Ich freue mich sehr auf diesen Besuch“, schrieb McFaul beim Kurznachrichtendienst Twitter.

Unterdessen haben die USA weiterhin bekräftigt den flüchtigen Geheimdienstspezialisten Edward Snowden fassen zu wollen. Man sei weiterhin mit allen Ländern in Kontakt, in die Snowden flüchten könnte oder die er auf einer Flucht überfliegen könnte, sagte Regierungssprecher Jay Carney am Montag in Washington. Erneut forderte er Russland auf, Snowden auszuliefern.

Carney nahm nicht zu russischen Zeitungsberichten Stellung, wonach Präsident Barack Obama auf eine Teilnahme am G20-Gipfel Anfang September verzichten würde, falls Snowden sich dann noch immer im Transitbereich des Moskauer Flughafens aufhalte.

Der frühere Geheimdienstmitarbeiter Snowden hatte unter anderem enthüllt, dass der US-Nachrichtendienst NSA mit seinem Spähprogramm „Prism“ weltweit in ungeahntem Ausmaß die Kommunikation per E-Mail und Telefon ausspähe. Die USA suchen den IT-Spezialisten wegen Geheimnisverrats. Russland lehnt mit Verweis auf die in den USA mögliche Todesstrafe eine Auslieferung ab.

Der kubanische Präsident Raúl Castro begrüßte die Asylangebote der lateinamerikanischen Staaten Venezuela, Bolivien und Nicaragua für Snowden. „Wir unterstützen das souveräne Recht Venezuelas und aller Länder der Region, den wegen ihrer Ideale oder des Kampfes für demokratische Rechte Verfolgten Asyl zu gewähren“, sagte Castro in einer Ansprache vor der Volksversammlung in Havanna. Venezuelas Regierung erwartete für Montag eine Antwort Snowdens auf das Asylangebot.

Nach Ansicht von Kommentatoren könnte Snowden mit der russischen Fluglinie Aeroflot direkt in die kubanische Hauptstadt reisen und von dort in sein Asylland weiterfliegen. In Venezuela sind wie in Nicaragua und Bolivien linksgerichtete Regierungen an der Macht, die die Dominanz der USA auf dem Kontinent äußerst kritisch sehen.

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  • Was sagt eigentlich die Journalistengemeinde oder deren Gewerkschaft zu dem Thema?

    Geht bei den Journalisten jetzt nicht schon die Muffe, dass sie bald Angebote erhalten, die sie nicht mehr ablehnen können, wenn sie über bestimmte Sachen schreiben?

    Warum schliesen die sich nicht zusammen und schalten mal eine grosse Anzeige. Oder Schlafen die alle noch? Oder spielen die Karnickel, dass der Schlange in die Augen sieht?

    Was ist mit den ganzen Intellektuellen? Glauben die etwa, es wird alles wieder gut?

  • Obama ist ein Schwerstkrimineller, der hinter Schloss und Riegel gehört.

  • Man braucht President Obama nicht auf dem "Gipfel in +Petersburg".The World doesn´t need you there,Mr.President.
    Did you copy?

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