Fall Terri Schiavo ruft konservative Politiker und Aktivisten auf den Plan
Bush-Wähler machen Druck

Georg W. Bush ist ein gläubiger Mensch. Die religiöse Überzeugung ist ein Grund für seine Wiederwahl als US-Präsident. Der Fall Terri Schiavo hat nun den religiösen Rechten die Chance auf ungeahntes Rampenlicht beschert. Das Schicksal der Koma-Patientin kommt vielen Aktivisten und konservativen Politikern gelegen.

HB WASHINGTON. „Terri Schiavo ist uns von Gott geschickt, um sichtbar zu machen, was in Amerika vor sich geht“, sagte der republikanische Mehrheitsführer im Abgeordnetenhaus, Tom DeLay, vergangene Woche bei einem Treffen der christlich-konservativen Gruppe „Rat für Familienforschung“. Die konservativen Werte seien unter Beschuss, meinte er, vor allem durch die Justiz. Nach Schiavos Tod griff er die Richter an, die fast 30 Mal gegen Schiavos Eltern entschieden hatten. Beobachter erwarten um so rigorosere Versuche der Republikaner, die nächsten frei werdenden Richterposten, über die der Kongress entscheidet, mit konservativen Kandidaten zu besetzen.

Vor dem Hospiz, in dem die Koma-Patientin am Donnerstag starb, waren Vertreter der religiösen Rechten die vergangenen zwei Wochen ständig im Bild. Randall Terry, der in den 80er und 90er Jahren als militanter Abtreibungsgegner bekannt wurde, trat als Sprecher der Schiavo-Eltern Bob und Mary Schindler auf. Zusammen mit dem Aktivisten Pat Mahoney brachte er die Stimmung der Demonstranten vor dem Hospiz für die bereitstehenden Kameras stets in drastischen Worten zu Gehör.

Viele Gruppen unterstützten den Kampf der Schiavo-Eltern mit Spendenaufrufen für den teuren Rechtsstreit. „Es ist ein Horrorszenario: sie lassen Terri verhungern“, schrieb Terry etwa für seine Anti-Abtreibungsgruppe „Gesellschaft für Wahrheit und Gerechtigkeit“. „Bitte spende in dieser historischen Schlacht um Terris Leben großzügig.“ Für Schiavo setzte sich auch die „Koalition für traditionelle Werte“ ein, die sonst gegen Homosexuellen-Rechte kämpft, das „Komitee für Recht auf Leben“, das die Evolutionslehre aus amerikanischen Schulen verbannen will und die Anti-Abtreibungsgruppe „Operation Rettung“.

Auf vielen Webseiten waren neben dem hübschen Gesicht der einst gesunden Terri Schiavo aber auch prominent die Spendenaufrufe in eigener Sache platziert. „Die Sache hat die Leute wachgerüttelt wie nichts anderes“, sagte der Gründer der „Koalition für traditionelle Werte“, Lou Sheldon, der „New York Times“. „Ich betrachte das als Segen für die Bewegung der konservativen Christen, den die liebe Terri uns beschert hat.“

Wer die Schiavo-Eltern je mit Spenden für den Rechtsstreit gegen ihren Schwiegersohn unterstützte, kann demnächst mit Post und Spendenaufrufen für andere konservative Zwecke rechnen. Im Gegenzug für einen per E-Mail verschickten Spendenaufruf hat die Familie der Firma „Response Unlimited“, die mit Adressen handelt, erlaubt, die ihre Kontakte gegen monatliche Gebühren weiterzureichen. Das Kalkül: wer dagegen war, das Terri Schiavo sterben musste, ist auch sonst für Belange der Christlich-Konservativen zu haben. „Diese Leute glauben leidenschaftlich an den Wert von Leben, sind klar gegen Sterbehilfe und im jeder Hinsicht für eine Kultur des Lebens“, hieß es auf der Webseite des Adressenhändlers.

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