Fall Timoschenko EU legt Abkommen mit Ukraine auf Eis

Für das Vorgehen gegen Ex-Regierungschefin Timoschenko zeigt Westerwelle der Ukraine die rote Karte: Ein Abkommen mit der EU kann sich das Land vorerst abschminken. Auch zur EM-Frage äußert sich der Außenminister.
Update: 03.05.2012 - 10:20 Uhr 10 Kommentare
Ein Plakat von Anhängern der inhaftierten Ex-Regierungschefin Julia Timoschenko. Quelle: AFP

Ein Plakat von Anhängern der inhaftierten Ex-Regierungschefin Julia Timoschenko.

(Foto: AFP)

Düsseldorf/BerlinMit ihrem Vorgehen gegen Ex-Regierungschefin Julia Timoschenko verbaut sich die Ukraine vorerst eine Annäherung an die EU. "Mit unseren Partnern in der Europäischen Union sind wir uns einig, dass das EU-Assoziierungsabkommen mit der Ukraine nicht ratifiziert werden kann, solange sich die Rechtsstaatlichkeit in der Ukraine nicht in die richtige Richtung entwickelt", sagte Außenminister Guido Westerwelle der Düsseldorfer „Rheinischen Post“.

Der FDP-Politiker sagte, er sei in großer Sorge um Timoschenko. Sie brauche unverzüglich angemessene medizinische Behandlung. Deshalb habe er gegenüber der Ukraine das Angebot erneuert, dass Timoschenko auch in Deutschland ärztliche Behandlung bekommen könne.

Zugleich wandte sich Westerwelle gegen Debatten über eine Verlegung der Fußball-Europameisterschaft in der Ukraine. „Ich rate davon ab, den Gesprächsfaden zu durchschneiden“, sagte er. Die Frage einer Verlegung von Spielen etwa nach Deutschland stelle sich derzeit nicht. Zu einem möglichen EM-Boykott der Bundesregierung sagte Westerwelle der „Bild“-Zeitung: „Das entscheiden wir, wenn die Entscheidung ansteht.“

Westerwelle sagt der Ukraine jedoch Fan-Proteste während der Fußball-Europameisterschaft voraus, sollte der inhaftierten Ex-Regierungschefin Julia Timoschenko eine angemessene medizinische Versorgung verweigert werden. „Politiker, Sportler, Medien und Fans werden es sich nicht nehmen lassen, während der EM gegen die Verletzung der Menschenrechte in der Ukraine ein Zeichen zu setzen“, sagte Westerwelle .

Derweil warnte der UN-Sonderberater für Sport, Willi Lemke, vor einem politischen Boykott des Turniers. „Ich finde es viel besser, wenn man dort hinfährt und die Möglichkeit des Dialogs in allen Feldern - mit den Fans, mit den Offiziellen - versucht hinzubekommen. Natürlich auch mit Vertretern der Opposition“, sagte er im Deutschlandfunk mit Blick auf die Menschenrechtssituation.

Ein Boykott der EM-Spiele bestrafe den Sport „und diejenigen, die sich jetzt sehr sehr darauf freuen“. Lemke forderte, die Nationalspieler über die politische Lage in der Ukraine aufzuklären, bevor sie zur EM reisen.

Nach Angaben der Tochter von Julia Timoschenko verschlechtert sich der Gesundheitszustand der inhaftierten ukrainischen Oppositionsführerin von Tag zu Tag. Die Lage sei lebensbedrohlich, sagte Jewgenija Timoschenko am Donnerstag im ZDF-„Morgenmagazin“. Die erkrankte Ex-Regierungschefin war am 20. April in den Hungerstreik getreten. Am Fall Timoschenko hatte sich die Debatte über Menschenrechtsverletzungen und Ukraine-Boykott entzündet.

  • dapd
  • dpa
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10 Kommentare zu "Fall Timoschenko: EU legt Abkommen mit Ukraine auf Eis"

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  • Obwohl die ausgewählten Zitate eine kritische Bewertung von Frau Timoschenko rechtfertigen, gelten dennoch auch für T. alle humanistischen Grundsätze. Die Ukraine ist internationalen Verträgen beigetreten, die Folter und Misshandlungen ausschließen. Frau Timoschenko ist in sehr kurzer Zeit sehr reich geworden. Dennoch sollte die Regierung nicht jene aufstacheln, denen gleiches Glück nicht hold war. Westerwelles Vorschlag betreffend die Ausreise wird wohl eine Ausreise ohne schnelle Rückkehr sein. Obwohl damit das Brett an der dünnsten Stelle gebohrt wird, scheint es zurzeit kaum sinnvollere Alternativen zu geben. Möglicherweise wird es in den nächsten Jahren eine Teilung der Ukraine und den Anschluß der Mehrheitsbevölkerungsgruppen an Polen und Russland geben. Dafür kann die Ukraine auf ihre historischen Vorbilder zurück greifen. Die Landesgeschichte (s. Bsp. Wikipedia) zeigt, dass die Ukraine häufig ein - unter äußerem Druck zustande gekommenes - Zwangsgebilde war.

  • Обидно стало, что Евро 2012 проходит в Украине?! И пошло-поехало! Все в кучу валите и пытаетесь пальчиком грозить Украине! Сколько не правовых судов прошло над сербскими деятелями? Сколько впоследствии не подтвердилось обвинений в их адрес? Сколько было инсинуаций в этих темных разборках? Разберитесь сначала со своими проблемами, прежде, чем лезть в дела суверенного государства!! Вот когда объединимся, тогда посмотрим,как вы будете петь в защиту воров, убийц и всякого рода мошенников! Так что умерьте свой пыл г-н Филипп Мисфельдер и своим подскажите, что не гоже ситуацию вокруг одной осужденной класть на одни весы с межгосударственными взаимоотношениями!! Это называется политический терроризм и вы им пользовались и при нападении на Югославию и пытаетесь теперь давить на Украину! Я понимаю, как не помочь другу Немыре, который осуществляет координацию всеобщего ора с запада, но не годится таким государственным мужам впрягаться в это "оранжевое болото", которое и прославилось-то пустопрожней болтовней и использованием государственных рычагов для набивания своих карманов и подведением соответствующей идеологической базы для оправдания государственного хаоса! Юля - возомнила себя бохиней и не допускала в рядах своей партии ни тени сомнения в ее поступках! Требовала чисто животного подчинения себе! Ее паранойя может и сводила с ума здравомыслящих однопартейцев, но требование подчинения по преданности ей, а не законам честного государственного, не зависимого в полной мере от других стран, строительства и привело к разочарованию и краху ее политики в Украине! А у западных "друзей" Немыри сейчас горячая пора - не дать состояться серьезному суду над зарвавшейся в конец предводительницы БЮТ(смотри-ка, и партию-то своим именем назвала! Ну чем не Дева-Юлия Христос?!!)!! Участие в убийстве - это не воровство и неуплата налогов, это серьезнее! Господа сочувствующие, посмотрите на дело глубже и с позиций представленных прокуратурой доказательств, и не мельчите.

  • Auszug aus dem Amnesty International Bericht über die Ukraine in der Regierungszeit von Julia T.:

    ...

    Torture and other ill-treatment

    Local human rights groups continued to receive complaints of torture and other ill-treatment in police detention centres and prisons. In 2008, the Kharkiv Human Rights Group registered 197 complaints of torture and ill-treatment; of these complaints 136 concerned ill-treatment by police and 49 by prison staff.

    ...

  • A U.S. federal appeals court in Washington will examine Russian energy giant Gazprom’s appeal on Thursday against a lower court’s dismissal of a $140 mln claim against former Ukrainian Prime Minister Pavel Lazarenko.

    The U.S. government is involved in a long-running dispute over the ownership of some $260 million in assets originating from extortion and money laundering by Lazarenko who was sentenced in August 2006 by a San Francisco federal district court to nine years in prison.

    The U.S. government argues it has the right to claim the funds in Lazarenko’s bank accounts in Switzerland, Lithuania, Liechtenstein, Antigua and the Channel Islands because the former Ukrainian premier committed some of his offences on American soil.

    However, aside from the U.S. government, several companies including Gazprom have also laid claims on Lazarenko’s money.

  • The Court of Appeals for the District of Columbia Circuit has dismissed Gazprom's appeal against a district court judgment dismissing its $140 million in claims from the proceedings over former Ukrainian Prime Minister Pavel Lazarenko's accounts, according to the court records made available to the Russian Legal Information Agency (RAPSI/rapsinews.com).

    The United States seeks to recover $260 million from Lazarenko's bank accounts in Switzerland, Lithuania, Liechtenstein, Antigua and the Channel Islands.

    ...

    Gazprom prosecuted Lazarenko on the theory that he stole more than $140 million, to which Gazprom "was legally entitled" under a contract with United Energy Systems of Ukraine.

  • Pavlo Ivanovych Lazarenko (Ukrainian: Павло Івáнович Лазарéнко, born on 23 January 1953) is a former Ukrainian politician and former Prime Minister who, in August 2006, was convicted and sentenced to prison in the United States for money laundering, wire fraud and extortion. According to the official count by United Nations, approximately $200,000,000 was looted by Lazarenko during 1996–1997 from the government of Ukraine.

    While in charge of the Cabinet, Lazarenko reportedly exercised control over many lucrative business projects and charged 50 percent of profits for his patronage. At that time, he maintained a close business relationship with Yulia Tymoshenko, then the CEO of Yedyni Energosystemy Ukrayiny (United Energy Systems of Ukraine), a monopoly that imported Russian natural gas.



  • OMG ! immer noch die gescheiterte Politik und Strategie des Kalten Krieg, seit 60 Jahren nix dazu gelernt und nur an Frei-karten, Frei-Flügen und cash-in auf die eigenen Konten interessiert !

  • Dass der Prozess gegen Timoschenko politisch motiviert war, steht außer Frage. Doch einmal davon abgesehen, wie kam Frau Timoschenko von heute auf morgen zu ihrem Millionenvermögen?

    Dass die ukrainischen Gefängnisse nicht den europäischen Standards entsprechen, steht außer Frage. Aber waren die selben Gefängnisse unter der Herrschaft von Timoschenko besser?

    Timoschenko ist immer noch Multimillionärin, müsste sie die Behandlung in der Charité selber bezahlen?

  • Wenn W-Welle nur auch so sehr gegen die Menschenrechtsverletzungen in USA sich einsetzen würde, könnte man diesen Krokodilstränen wegen Timoschenko glauben schenken.

    So wird es bestenfalls zu einem Kasperle Theater.

  • Schade, ....sehr sehr traurig und erschreckend Herr Westerwelle das auch sie die Tiere und die dafür schon seit langem stattfindenden Proteste nicht wahrnehmen, geschweige denn erwähnen!!! Da muss man doch echt langsam aber sicher fassungslos den Kopf schütteln arghhhhh

    Da bleibt nur zu hoffen das die jenigen die vor Ort sind bzw. sein werden es sich auch nicht nehmen lassen werden lautstark und ersichtlich für alle Welt ein Zeichen für die Tiere zu setzen und nicht nur wie alle erwarten für eine Frau Timoschenko in Sachen Menschenrechte

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