Falludscha in weiten Teilen zerstört
Heftiger Widerstand gegen US-Truppen im Irak

Auch nach der verkündeten Einnahme Falludschas hat die US-Armee mit Kampfflugzeugen, Artillerie und Granatwerfern der Rebellen in der irakischen Stadt angegriffen. Vor allem im Süden der weithin zerstörten Stadt leisteten Aufständische heftigen Widerstand.

HB FALLUDSCHA. Auch in Mossul im Norden des Landes und in Bakuba in der Nähe der Hauptstadt Bagdad lieferten sich Aufständische und US-Soldaten heftige Gefechte. Augenzeugen wiesen die Darstellung des irakischen Ministerpräsidenten Ijad Allaui zurück, bei den einwöchigen Kämpfen seien keine Zivilisten getötet worden.

Der Kommandeur der US-Marineinfanteristen in Falludscha sagte, diejenigen, die sich noch in der Stadt aufhielten, gehörten zum harten Kern der Rebellen und würden getötet. „Was man jetzt dort sieht, sind einige Hardliner“, sagte Generalmajor Richard Natonski der BBC. „Sie scheinen besser ausgerüstet zu sein als früher. Einige trugen kugelsichere Westen. Aber wir sind entschlossener, wir werden sie auslöschen.“

Nach sieben Tagen heftiger Angriffe der US-Armee sind viele Gebäude in Falludscha nur noch Ruinen. Einige Moscheen wurden zerstört. Strom- und Telefonleitungen sind zerrissen und baumeln von den Masten herab. Verwesungsgeruch hängt in der Luft. In den Trümmern liegen zerfetzte Leichen. Einige sind so verstümmelt, dass nicht mehr zu erkennen ist, ob es Zivilisten oder Rebellen sind. Der Stadtteil Dscholan gleicht einer Geisterstadt. Viele Menschen sind geflohen. An einer Mauer steht: „Lang leben die Mudschahedin!“ Von den Kämpfern fehlt jede Spur.

Das US-Militär hat bei seiner Offensive mehr als 1200 der geschätzten 2000 bis 3000 Rebellen getötet. Zivilisten seien seiner Einschätzung nach nicht ums Leben gekommen, sagte Allaui. Dagegen berichtete ein Mitarbeiter einer irakischen Hilfsorganisation, er habe am Sonntag in Dscholan 22 Leichen gesehen. „Fünf wurden in einem Haus entdeckt, unter ihnen zwei Kinder, die nicht älter als 15 Jahre waren.“ Einige der Leichen, die wir sahen, waren von streunenden Hunden und Katzen angefressen. Es war ein grauenhafter Anblick.“

In Falludscha sind seit Beginn der Offensive keine Hilfslieferungen mehr angekommen. Eine Versorgungskrise hat das US-Militär dennoch nicht ausgemacht. US-Kommandeure sagten, die Armee bringe selbst Hilfsgüter in die Stadt. Dagegen bezeichnete die Hilfsorganisation Roter Halbmond die Lage als katastrophal. Sieben Lastwagen mit Lebensmitteln und Medizin seien in die Stadt geschickt worden. Die US-Armee stoppte den Konvoi jedoch auf dem Weg zum größten Krankenhaus in Falludscha. Nach drei Tagen vergeblichen Wartens fuhren die Lkw am Montag zurück.

Seit Beginn der Offensive gegen die Rebellen in Falludscha haben sich die Gefechte auch auf Mossul und Bakuba ausgeweitet, Städte, die im so genannten sunnitischen Dreieck liegen, in dem der Widerstand gegen die US-Truppen besonders groß ist. Mindestens vier Explosionen hätten am Montag Mossul erschüttert, berichteten Augenzeugen. „Ich rechne damit, dass es in den kommenden Tagen einige schwere Gefechte geben wird“, sagte US-Kommandeur Carter Ham. „Die Lage in Mossul ist angespannt, aber sicherlich nicht verzweifelt.“

Auch in Bakuba, das rund 65 nördlich von Bagdad liegt, lieferten sich die US-Armee und Aufständische schwere Kämpfe. US-Kampfflugzeuge warfen zwei schwere Bomben auf Rebellenstellungen in Bakuba ab. Wie in Bakuba griffen auch im südlich davon gelegenen Ort Buhris Rebellen eine Polizeiwache an.

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