Falludscha weiter unter Beschuss
US-Militär festigt Kontrolle über Samarra

Nach einer Großoffensive hat das US-Militär am Wochenende seine Kontrolle über die irakische Rebellenhochburg Samarra gefestigt. US-Soldaten und irakische Sicherheitskräfte durchkämmten am Sonntag mehrere Stadtviertel und suchten nach versprengten Aufständischen. US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld hat für die kommenden Wochen und Monate wachsende Gewalt im Irak vorausgesagt.

HB BAGDAD/KAIRO/WAHINGTON. US-Flugzeuge bombardierten unterdessen weiter die von Aufständischen kontrollierte Stadt Falludscha. Dabei wurden am neun Iraker getötet und 23 verletzt. Eine Extremistengruppe stellte ein Video ins Internet, das die Enthauptung eines Irakers zeigt, der als Vertragspartner der US-Armee tätig war.

In Samarra hatte das US-Militär, unterstützt von irakischen Verbänden, am Freitag eine der bisher massivsten Militäroperationen seit dem Einmarsch im Irak im März vergangenen Jahres eingeleitet. An ihr waren eine US-Infanteriebrigade mit 3 000 Mann und rund 2 000 irakische Nationalgardisten beteiligt. Bereits am Samstag hatten diese die Stadt 100 Kilometer nördlich von Bagdad weit gehend unter Kontrolle. Bei den Kämpfen wurden nach US-Angaben 125 Aufständische getötet und mehr als 80 festgenommen. Ein US-Soldat kam ums Leben.

General John Batiste, der Kommandeur der 1. US-Infanteriedivision, bezeichnete die Operation als „erfolgreich“. Der irakische Innenminister Falah el Nakib sprach von einem ersten Schritt zur Wiedereroberung aller Rebellengebiete. Die Wiederherstellung der Kontrolle über die Aufständischen-Gebiete soll in den Augen der US- eingesetzten Regierung in Bagdad dazu beitragen, dass die für Januar 2005 geplanten Wahlen im ganzen Land durchgeführt werden können.

Rumsfeld sieht wachsende Gewalt im Irak vor Wahlen

US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld hat für die kommenden Wochen und Monate wachsende Gewalt im Irak vorausgesagt. Er rechne mit verstärkten Angriffen und Anschlägen der Aufständischen im Irak vor der Präsidentenwahl in den USA am 2. November und den im Januar geplanten irakischen Wahlen, sagte Rumsfeld in einem am Samstagabend veröffentlichten Interview des US- Senders „Fox News“.

Er sehe im Irak weniger die Gefahr eines Bürgerkriegs, als vielmehr, dass das Land unter die Kontrolle von Extremisten und Terroristen gerate, „die herumlaufen und den Leuten die Köpfe abhacken.“ Das wäre eine „düstere Zukunft“, sagte Rumsfeld.

Er gestand ein, das Ausmaß des Widerstands im Irak unterschätzt zu haben. „Niemand kann perfekt in die Zukunft schauen.....“ Die Gewalt im Irak werde wohl trotz hoher Verluste für die Aufständischen bis zu den Wahlen im Irak andauern. Er gehe fest davon aus, dass im Januar in allen Provinzen gewählt werde.

Bei den jüngsten Kämpfen seien über 1 500 Aufständische getötet worden, darunter zahlreiche Anhänger des Extremisten-Führers Abu Mussab al-Sarkawi, so der US-Verteidigungsminister. Auf die Frage, warum es den US-Streitkräften bisher nicht gelungen sei, Al-Sarkawi zu fassen, sagte Rumsfeld: „Das ist, als würde man eine Nadel im Heuhaufen suchen.“ Ein solche Aufgabe sei eigentlich Sache von Agenten des US-Bundeskriminalamtes FBI und nicht der Militärs.

Die US-Truppen würden das Land verlassen, wenn es stabile Verhältnisse gebe, betonte Rumsfeld. Alledings bedeute das nicht „einen absolut friedliches Irak“. Es sei ausreichend, wenn die irakischen Sicherheitskräfte mit der Gewalt „in dieser traditionell sehr unruhigen Region“ selbst fertig werden könnten.

US-Einheiten und irakische Verbände gingen am Sonntag mit Panzern und schweren Waffen gegen Aufständische in Latifija, 40 Kilometer südlich von Bagdad, vor. Dabei wurden drei irakische Zivilisten getötet und sieben verletzt, bestätigten Krankenhausärzte. In der Nacht zuvor hatten Aufständische eine Polizeiwache angegriffen. Dabei starben zwei Polizisten und ein Angreifer. Bewaffnete schossen wenig später zwei Tanklaster in Brand. Beide Fahrer kamen ums Leben.

Die irakische Extremistengruppe „Ansar el Sunna-Armee“ stellte am Samstag ein Video ins Internet, auf dem die die Tötung eines irakischen Ingenieurs zu sehen ist. Der Mann arbeitete im US- Stützpunkt Tadschi bei Bagdad am Bau von Kläranlagen. Die Gruppe drohte jedem Iraker, der mit den „Ungläubigen“ und „Kreuzrittern“ zusammenarbeite, ein ähnliches Schicksal an. Irakische Polizisten fanden am Sonntag südlich von Bagdad die Leichen zweier westlich aussehender Ausländer, eines Mannes und einer Frau, wie der arabische Nachrichtensender El Arabija berichtete.

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