Falsche Berichte vorgeworfen
Chef von Hilfsorganisation verhaftet

Der Vorsitzende des niederländischen Zweigs der internationalen Hilfsorganisation „Ärzte ohne Grenzen“ (MSF) wurde am Montag von sudanesischen Sicherheitsbeamten festgenommen. Die Regierung des afrikanischen Staates wirft Paul Foreman falsche Berichte über Massenvergewaltigungen in der Krisenregion Darfur vor.

HB KHARTUM. Foreman sagte der Nachrichtenagentur Reuters, er sei verhaftet und später gegen Zahlung einer Kaution auf freien Fuß gesetzt worden. Der niederländische MSF-Zweig äußerte Empörung über das Vorgehen der sudanesischen Behörden. Es war die erste solche Aktion in Sudan gegen den Leiter einer Hilfsorganisation seit dem Ausbruch des Darfur-Konflikts Anfang 2003.

Sudans Generalstaatsanwalt hatte zuvor erklärt, gegen den Direktor sei ein Strafverfahren eröffnet worden, weil MSF im März einen falschen Bericht in die Welt gesetzt habe, wonach es in Darfur binnen viereinhalb Monaten 500 Vergewaltigungen gegeben habe. Bei einer Verurteilung drohten Foreman bis zu drei Jahre Haft.

Foreman hatte Reuters vor seiner Festnahme gesagt, die Berichte entsprächen der Wahrheit. Er dürfe die medizinischen Unterlagen jedoch nicht an Dritte weitergeben, weil damit die ärztliche Schweigepflicht verletzt würde. Der Bericht stütze sich auf Angaben der Opfer. Demnach sollen 80 % aller Befragten berichtet haben, sie seien in der westsudanesischen Unruheprovinz von bewaffneten Milizen und Soldaten sexuell missbraucht worden. Manche Frauen erklärten, sie seien tagelang gefangen gehalten, geschlagen und mehrfach vergewaltigt worden. Andere berichteten, sie seien nach den Übergriffen sogar inhaftiert worden. Viele Vergewaltigungsopfer werden in der moslemischen Gesellschaft geächtet.

Bei Überfällen arabischer Milizen aud schwarzafrikanische Bewohner der Region Darfur und kämpfen mit einheimischen Rebellengruppen sind Zehntausende Menschen ums Leben gekommen. Mehr als zwei Mill. Menschen wurden aus ihrer Heimat vertrieben.

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