Familie im Nachbarland
Frankreich, einig Geburtenland

Frankreichs Erfolgsrezept in der Familienpolitik klingt simpel: Familie und Beruf vereinbaren. Dass dies auch in der Praxis funktioniert, liegt besonders am Staat - und an der Einstellung zu arbeitenden Müttern.
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ParisFrankreich ist seit Jahren mit durchschnittlich zwei Kindern pro Frau der Geburtenchampion von Europa. Dafür gibt es zahlreiche Gründe. Der Staat organisiert alles, von Krippen bis zu erheblichen Steuererleichterungen, damit die Frauen mindestens zwei Kinder bekommen. Vorschulen und Ganztagsschulen existieren schon seit Ende des 19. Jahrhunderts.

Bei der Steuer wird nicht die Ehe gefördert, sondern die Kinderzahl. Das Einkommen einer Familie wird durch die Anzahl der Köpfe in der Familie geteilt, es gibt einen Familienquotienten und nicht nur Ehegattensplitting. Deshalb zahlt eine durchschnittlich verdienende Familie mit drei Kindern kaum Steuern. Kosten für Tagesmütter und auch Putzfrauen können bis zu 50 Prozent von der Steuer abgesetzt werden. Krippen gibt es für etwa 30 Prozent der Kinder. Daneben existiert ein staatlich organisiertes Netz von Tagesmüttern. In den Vorschulen haben alle Kinder ab drei Jahren einen gesetzlich garantierten Platz. Hier muss nur die Kantine bezahlt werden.

Geburtenrate

Der Geburten-Champion Frankreich

Deutschland und Frankreich im Vergleich,
Anzahl von Kindern pro Frau


Beruf und Familie können dadurch gut vereinbart werden, weshalb auch Karrierefrauen sich häufig dafür entscheiden, mehrere Kinder zu bekommen. Zudem akzeptieren Unternehmen es in Frankreich oft, dass ein Elternteil, meist die Mutter, nur 80 Prozent arbeitet. Das Kindergeld ist dafür weniger großzügig. Erst ab dem zweiten Kind werden 127 Euro bezahlt. In Frankreich gibt es kein Elterngeld. Wenn ein Elternteil seine Berufstätigkeit unterbricht oder Teilzeit arbeitet, wird abhängig von der Kinderzahl Geld gezahlt, allerdings maximal knapp 800 Euro bei drei Kindern für ein Jahr. Wesentlich in Frankreich ist aber nicht nur die Politik, sondern die Einstellung. Weil der Staat schon so lange Familienpolitik aktiv betreibt, hat es sich in den Köpfen als normal durchgesetzt, dass Mütter arbeiten. Den Vorwurf, eine „Rabenmutter“ zu sein, hört man deshalb in Frankreich kaum.

Kommentare zu " Familie im Nachbarland: Frankreich, einig Geburtenland"

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  • Die Franzosen habens in Sachen Familienpolitik einfach raus. Da könnte Deutschland sich mal n Beispiele dran nehmen. Wir brauchen nicht nur mehr Kitaplätze und Ganztagsschulen, sondern wir sollten anstatt dem Ehegattensplitting endlich das Familiensplitting einführen. Ein interessanter Artikle von Prof. Dr. Wolfgang Wiegard http://www.atkearney361grad.de/2012/07/24/finanzielle-forderung-von-familien-4/

  • Von Beat_Ruetlisberger
    Wer ehlich ist, muss doch froh sein, wenn es nicht so viele Geburten gibt, sonst wären noch mehr Arbeitslose und zukünftige Sozialhilfeempfänger.

    Antwort: Ich habe keine Detailkenntnisse über Frankreich, aber wenn man sich die Bevölkerungszahl Frankreich von 1945 anschaut (45 Millionen Einwohner und keine „Verluste durch Kriege“) und die wunderbare Vermehrung auf dich heutige Anzahl muß ich ihnen Recht geben.

    Dabei darf man aber nicht vergessen, daß wir Deutschen zu wenige Geburten zu verzeichnen haben. Dabei geht es gar nicht um ein hohes Wachstum sondern um die Stabilisierung und ein kleines Wachstums unseres Volkes (73 Millionen Deutsche).


    Das führt dazu, daß unser Binnenmarkt schrumpft (weniger Nachfrage, weniger Arbeitsplätze) und die Versprechungen (Rente, Sozialhilfe, Kapitalverzinsung, Asylleistungen, Hatz 4) nicht mehr erfüllt werden kann, bei einer vergreisenden Deutschen Bevölkerung.

    Dabei bedeutet „Immigration“ noch eine zusätzliche Belastung (65 Milliarden Euro pro Jahr).

    Wir steuern auf eine Demographische Katastrophe zu (Wir werden Weniger und „bunter“ also PLEITE).

    Wir hatten in der Vergangenheit uns aber immer wieder diesen Aufgaben gestellt (mehr Geburten und eine Veränderung der Gesellschaftlichen Rahmenbedingungen)

    Es wird Zeit.

  • Diese Statistik ist nichts wert. Man soll bitteschön erst mal schauen, wie viele dieser "Franzosen" in den Banlieues der Großstädte vegetieren, und wie viele davon "autochthone" Franzosen sind und wie viele Nord- oder Schwarzafrikaner. Ich habe vor 10 Jahren in Südfrankreich den Anteil der "Adoptivfranzosen" bei den unter 25-Jährigen auf >50% geschätzt, davon 2/3 Muslime, mittlerweile dürften es 60% sein. Und der Wert für ganz Frankreich wird nicht viel niedriger sein.

    Diese Leute werden direkt geboten als Sozialfälle die letztlich durch deutsche Transferzahlungen über Wasser gehalten werden. Versiegt dieser Geldstrom, brennen sofort wieder die Autos wie 2005. Die Jugendarbeitslosigkeit von >25% auch in Frankreich ist erschreckend. Wie man da große Geburtenraten von Personengruppen, die aufgrund unterschiedlicher Kultur und Herkunft ohnehin schon das soziale Gefüge ins Wanken bringen, auch noch lauthals bejubeln kann, erschließt sich mir nicht.

    Wer ehlich ist, muss doch froh sein, wenn es nicht so viele Geburten gibt, sonst wären noch mehr Arbeitslose und zukünftige Sozialhilfeempfänger.

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