Familien in China
„Endlich wird die Ein-Kind-Politik abgeschafft“

Aus Ein-Kind- wird Zwei-Kind-Politik: Die Entscheidung der chinesischen Regierung lässt Aktien von Windelherstellern kräftig steigen. Wissenschaftler hoffen auf mehr Konsum. Und auch ein US-Konzern jubelt.
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HefeiUnternehmer Robert Cao lässt sich im Schnellzug auf dem Weg nach Schanghai in seinen Sitz fallen. Draußen zieht die dicht bebaute Landschaft vorbei. „Endlich wird die Ein-Kind-Politik abgeschafft“, sagt er. Nicht nur wirtschaftlich, sondern auch ökonomisch sei der Beschluss der Parteiführung eine Richtungsentscheidung, sagt der Chef eines Automobilzulieferers mit 100.000 Angestellten.

Über mehr als drei Jahrzehnte gehörte die Ein-Kind-Politik zu einer der drakonischsten und umstrittensten Entscheidungen der chinesischen Führung. Der Reformarchitekt Deng Xiaoping hatte China den Kurs Ende der 1970er Jahre aus Sorge um einen dramatischen Anstieg der Bevölkerung verordnet.

Ohne die strikte Familienpolitik würden heute in China nach offiziellen Angaben schätzungsweise 300 Millionen Menschen mehr leben. Doch Demografen hatten die Politik schon seit Jahren als überholt kritisiert, und vor einer Überalterung der Gesellschaft gewarnt. Jede Chinesin bekommt demnach im Schnitt weniger als 1,6 Kinder - zum Vergleich: in Deutschland liegt dieser Wert bei 1,4.

Mit der Entscheidung der Parteiführung soll sich die Lage für China bessern. Künftig dürfen alle Paare in China zwei Kinder haben. 2013 hatte die Kommunistische Partei die Geburtenkontrollen bereits entschärft, und Paaren ein zweites Kind gestattet, wenn die Eltern bereits Einzelkinder waren.

Künftig könnten jährlich bis zu 2,5 Millionen mehr Kinder geboren werden, prognostizierte Professor Liang Jianzhang von der Peking Universität. Das könne den Binnenkonsum um 75 Milliarden Yuan (elf Milliarden Euro) antreiben, sagte er der chinesischen Zeitung Securities Times.
Andere Wissenschaftler prognostizierten hingegen geringe Auswirkungen auf die Geburtenrate. Angesichts steigender Lebenshaltungskosten entschieden sich vermutlich nur wenige Eltern für ein zweites Kind, argumentierten sie. Demografie-Forscher Gu Baochang von der Renmin Universität in Peking sagte, bislang hätten nur 13 Prozent der Paare von den im Jahr 2013 gelockerten Regeln Gebrauch gemacht.

In einer Online-Umfrage des Nachrichtenportals Sina gaben 43 Prozent der Befragten an, trotz der neuen Regelung kein zweites Kind zu wollen. 29 Prozent sagten, sie wollten ein zweites Kind.
Über einen Mini-Aufschwung konnten sich aber bereits Hersteller von Babyprodukten freuen. An der Börse von Shenzhen stiegen etwa die Kurse der Babynahrungsfirma Beingmate und des Windelproduzenten C&S Paper bis zum Mittag um jeweils zehn Prozent.
Auch der Chef des US-Unterhaltungsriesen Disney, Robert Iger, freute sich über die Lockerung der Geburtenkontrolle. "Kinder sind natürlich gut für Disney", sagte er laut Nachrichtenagentur AFP Disney will im kommenden Jahr gemeinsam mit der chinesischen Shanghai Shendi Group einen Vergnügungspark in Shanghai eröffnen. Die Bauarbeiten für das 5,5 Milliarden Dollar (fünf Milliarden Euro) teure Projekt hatten im April 2011 begonnen. Nun hoffe er auf noch mehr Besucher, sagte Iger.

Stephan Scheuer ist China-Korrespondent des Handelsblatts. Quelle: Mirela Hadzic für Handelsblatt
Stephan Scheuer
Handelsblatt / Korrespondent China

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  • hihi, yapp

    Besonders auf dem "flachen Land", wo schon immer die Quelle des Volkes war (s. III. Reich), dort erfreut man sich am reichen Kindersegen und wenn die Partei richtig eingebunden ist, gibt es auch keine Probleme

  • Nö, Herr Otto, Tasachen können mich nicht schrecken. Auch nicht Kasachen, ich kenn ein paar, die sind ganz ok. Ich hab auch nichts gegen Chinesen, die sind leider cleverer als unsere Politbonzen.

  • --@ werter Herr Herr Franz Paul,

    man merkt, sie lassen sich in ihrer "objektiven Sichtweise" nicht von Tasachen abschrecken. Immer wieder erstaunt es mich allerdings schon, wie sicher sie hier auftreten und sehr viel schreiben, aber nie etwas verstehen.

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