
BERLIN. In deutschen Familien ist der männliche Hauptverdiener auf dem Rückzug – stattdessen füllen zunehmend Frauen die Haushaltskasse. Das steht im neuen Familienbericht, den Bundesfamilienministerin Kristina Köhler (CDU) gestern vorstellte.Danach steuern Frauen im Westen heute in fast 40 Prozent aller Familien zumindest gleich viel zum Haushaltseinkommen bei wie die Männer. Anfang der 90er-Jahre galt das nicht einmal für jede dritte Familie. Besonders stark gestiegen ist der Anteil der Frauen, die mehr Geld als ihr Partner nach Hause bringen: Er liegt mittlerweile bei fast elf Prozent – 1991 waren es noch knapp sieben Prozent.
Hintergrund ist eine geänderte Einstellung: Heute fänden es 42 Prozent der Frauen am besten, wenn beide Eltern halbtags arbeiten und sich gleich viel um die Kinder kümmern könnten – vor zehn Jahren waren es nur 30 Prozent. Auch unter den Männern fände das jeder dritte gut. Andersherum glaubt noch immer jede dritte Frau, dass es einem Kleinkind schadet, wenn die Mutter arbeitet. Zwei Drittel der Frauen und gut die Hälfte der Männer meinen, beide sollten zum Haushaltseinkommen beitragen.
Zugleich gibt es immer mehr alleinerziehende Eltern: Mittlerweile lebt jedes sechste Kind bei nur einem Elternteil – in 90 Prozent der Fälle sind das die Mütter. Bundesweit ist die Quote der Alleinerziehenden in zehn Jahren von 15 auf 20 Prozent gestiegen.
Zwei Drittel der auf sich allein gestellten Mütter sind erwerbstätig. Während jedoch von den Alleinerziehenden 42 Prozent Vollzeit arbeiten, sind es bei Müttern mit Partnern nur 27 Prozent.
Knapp zwei Drittel der allein erziehenden Mütter leben hauptsächlich von eigenem Einkommen (siehe Grafik). Dennoch ist das Armutsrisiko groß: Der Anteil der Alleinerziehenden, die staatliche Hilfe erhalten, ist nur leicht auf 41 Prozent zurückgegangen. Knapp ein Drittel der Alleinerziehenden wird bei der Betreuung vom anderen Elternteil unterstützt, die Hälfte von Großeltern. Der Anteil kleiner Kinder bis drei Jahre, die eine Kita besuchen, ist auf ein Fünftel gestiegen – bei Migrantenkindern ist es nur jedes zehnte. Von den Drei- bis Sechsjährigen werden 92 Prozent außerhalb der Familie betreut.