Familienrecht
Straßburg stärkt Väterrechte

Gerichte müssen nach dem Urteil in Einzelfällen genau prüfen, ob regelmäßiger Kontakt zwischen Kind und mutmaßlich biologischem Vater im Interesse des Nachwuchs liegt.
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KarlsruheDer europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) hat die Rechte mutmaßlicher leiblicher Väter in Deutschland gestärkt. Die Familiengerichte müssten anhand eines jeden Einzelfalls genau prüfen, ob regelmäßiger Kontakt zwischen dem mutmaßlichen biologischen Vater und seinem vermeintlichen Kind im Interesse des Nachwuchses liege oder nicht, urteilten die Straßburger Richter in einem am Donnerstag veröffentlichten Spruch.

Weil dies nicht geschehen war, gaben sie einem Mann aus Fulda recht, der Umgang mit seinem heute siebenjährigen mutmaßlichen Sohn haben will. Rechtlicher Vater des Kindes ist der Ehemann der Mutter. Die Richter sprachen dem Kläger in ihrer noch nicht rechtskräftigen Entscheidung 15.000 Euro Schadenersatz und Schmerzensgeld zu. (BeschwerdeNr.: 17080/07) In dem Fall hatte der Kläger eine längere Beziehung zu einer verheirateten Frau, sie während ihrer Schwangerschaft zum Arzt begleitet und die Vaterschaft anerkannt. Vor der Geburt kehrte die Frau zu ihrem Ehemann zurück. Den Antrag des Ex-Geliebten auf Umgang mit seinem mutmaßlichen Kind und Feststellung der Vaterschaft hatten deutsche Gerichte im Interesse der Familie abgewiesen. Die Anerkennung der Vaterschaft sei rechtlich nicht binden, da das Kind ehelich geboren sei, hatten sie zur Begründung erklärt.

Der EGMR stellte nun einen Verstoß gegen das Recht des Klägers auf Achtung seines Privatlebens fest, das in der Europäischen Menschenrechtskonvention verankert ist. Angesichts der Vielzahl möglicher Familienkonstellationen könne man nicht anhand allgemeingültiger, gesetzlich festgelegter Vermutungen darüber entscheiden, ob ein Kontakt im Kindswohl liege oder nicht.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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