Fast alle Kardinäle bereits in der Stadt
Papst-Pläne schüren Sorgen um Pontifex

Papst Johannes Paull II. will möglicherweise schon am Sonntag und damit mehrere Monate früher als erwartet neue Kardinäle ernennen - für Beobachter ein Anzeichen dafür, dass es dem Kirchenoberhaupt gesundheitlich offenbar schlechter geht, als der Vatikan es nach außen eingestehen will.

HB ROM. Bereits im Oktober werde das zur Kardinalsernennung nötige Treffen des Pontifex mit dem Kardinalskollegium (Konsistorium) stattfinden, verlautete am Freitag aus dem Vatikan. Johannes Paul II. werde die Namen in den kommenden Tagen bekannt geben, hieß es. Als möglicher Termin wurde bereits der kommende Sonntag (28. September) genannt. Das Konsistorium dürfte dann am 21. oder 22. Oktober stattfinden, hieß es.

Das Konsistorium war ursprünglich für Februar geplant gewesen. Nach der jüngsten Verschlechterung des Gesundheitszustands des 83-jährigen Papstes waren Spekulationen über ein Vorziehen der Ernennungen aufgekommen. Die Kardinäle unter 80 Jahre sind als einzige berechtigt, den neuen Papst zu wählen. Ihre Zahl ist durch Todesfälle und wegen Überschreitung der Altersgrenze auf derzeit 109 gesunken. Außerdem nähern sich Dutzende Kardinäle dem 80. Geburtstag. Angestrebt wird eine Zahl von 120 Papstwählern. Der Zeitpunkt der Ernennung neuer Kardinäle ist traditionell eines der best gehüteten Geheimnisse des Vatikan, der lediglich dem Papst selbst und einer Hand voll seiner engsten Mitarbeiter bekannt ist.

Vatikan-Beobachter vermuteten, dass die Erkrankung, die Papst Johannes Paul II. am Mittwoch zur Absage seiner Generalaudienz gezwungen hatte, die Entscheidung über das Vorziehen des Konsistoriums maßgeblich beeinflusst hat. Nach italienischen Medienberichten war die Erkrankung offenbar weit ernster als vom Vatikan offiziell dargestellt. Wann auch immer der aus Polen stammende Pontifex die Ankündigung zur Kardinalsernnung geplant hat, könnte die Ernennung der Kardinäle seine letzte Chance sein, Einfluss auf das Gremium zu nehmen, das seinen Nachfolger wählt und damit auch auf die Kirchenpolitik nach seinem Tod.

Die Leibärzte des Kirchenoberhaupts hätten am Dienstag zunächst einen Darmverschluss befürchtet und die römische Gemelli-Universitätsklinik alarmiert, berichtete die Tageszeitung „La Stampa“ am Freitag. Dort sei auch sofort alles für die Aufnahme des Papstes vorbereitet worden, hieß es. Letztlich habe sich Johannes Paul II. aber auf seiner Urlaubsresidenz in Castel Gandolfo wieder rasch erholt und die Ärzte hätten Entwarnung gegeben.

Sie hätten dem Papst jedoch geraten, die Generalaudienz am Mittwoch abzusagen. Papst-Sprecher Joaquin Navarro-Valls, der ein Arzt-Studium absolviert hat, gab als Begründung für die Absage „leichte Darmbeschwerden“ des Kirchenoberhaupts an. Seit dem Pistolen-Attentat 1981 hat sich Karol Wojtyla mehreren Darmoperationen unterziehen müssen.

Johannes Paul II. hatte das Ende seines rund zweimonatigen Urlaubsaufenthaltes in Castel Gandolfo um einen Tag vorgezogen und war am Donnerstagabend in den Vatikan zurückgekehrt. Vermutlich werde er sich medizinischen Tests unterziehen müssen, berichteten italienische Medien. Offizielle Termine hat der Papst aber zunächst nicht abgesagt.

Das kurzfristige Vorziehen der Kardinalsernennungen wurde durch den Umstand erleichtert, dass sich fast alle Kardinäle schon im Oktober anlässlich des 25. Amtsjubiläums von Johannes Paul II. in Rom aufhalten werden.

Vatikan-Experten gehen davon aus, dass der Papst zumindest 30 neue Purpurträger bestimmt. Auch die Ernennung von bis zu 50 Kardinälen wird nicht ausgeschlossen. Zuletzt hatte er Anfang 2001 30 Kardinäle ernannt, unter ihnen auch den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Karl Lehmann. Vermutlich werde der Pontifex eine Reihe jüngerer nicht-italienischer Kardinäle ernennen, hieß es in italienischen Zeitungen. Damit steige die Wahrscheinlichkeit, dass auch der nächste Papst aus einem anderen Land als Italien stammen werde. Johannes Paul selbst war bei seiner Wahl im Jahr 1978 das erste Oberhaupt der katholischen Kirche seit 455 Jahren, das nicht aus Italien stammte.

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