„Fatale Konsequenzen“
Taliban drohen Südkorea

Die radikal-islamischen Taliban haben mit Drohungen auf die von Südkorea angekündigte Entsendung von Soldaten nach Afghanistan reagiert. Sollte Südkorea wie angekündigt wieder Soldaten entsenden, müsse die Regierung in Seoul sich auf "fatale Konsequenzen" einstellen, hieß es in einer am Mittwoch an Medien versandten Erklärung der Taliban.
  • 0

HB KABUL/BERLIN/MÜNCHEN. Südkorea hatte bis Ende 2007 rund 200 Soldaten in Afghanistan stationiert. Im Gegenzug für die Entlassung von 19 Südkoreanern aus der Geiselhaft der Taliban hatte die Regierung in Seoul die Truppen abgezogen. Zwei Geiseln hatten die Aufständischen zuvor getötet.

Im Rahmen der internationalen Truppenverstärkung in Afghanistan hat Südkorea angekündigt, 400 Soldaten zu entsenden. Südkorea "hatte versprochen, die Soldaten aus Afghanistan abzuziehen und nie wieder in der Zukunft Truppen zu schicken", hieß es am Mittwoch in der Mitteilung der Taliban. "Wenn sie ihre Truppen nach Afghanistan entsenden und ihr Versprechen brechen, dann sollten sie auf fatale Konsequenzen vorbereitet sein."

US-Gesandter für mehr Deutsche in Afghanistan

Der US-Sondergesandte für Afghanistan und Pakistan, Richard Holbrooke, wünscht, dass Deutschland nicht nur zusätzliche zivile Helfer, sondern auch mehr Soldaten an den Hindukusch schickt. "Schön wäre beides", sagte er der "Süddeutschen Zeitung". An der bisherigen Aufbauarbeit übte er harte Kritik: "Im Ergebnis fangen wir wieder ganz von vorne an."

Der Luftangriff auf zwei Tanklastzüge nahe Kundus im September, den ein deutscher Offizier befohlen hatte und der bis zu 140 Menschen das Leben kostete, habe "sehr geschadet", stellte der ehemalige US-Botschafter in Deutschland in der "Berliner Zeitung" fest. "Die Deutschen müssen den Afghanen und auch der gesamten muslimischen Welt deutlich machen, dass Kundus ebenso wenig eine Metapher für das deutsche Handeln in der Welt ist, wie das Abu Ghreib für das weltweite Handeln der USA war."

Der innenpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Hans-Peter Uhl, äußerte sich indes skeptisch über einer Aufstockung der deutschen Afghanistan-Truppe. Nach acht Jahren Bundeswehreinsatz dort sei es unangemessen, die Diskussion über mehr oder weniger Soldaten in den Vordergrund zu stellen, schrieb er in einem Positionspapier, das dem "Kölner Stadt-Anzeiger" vorliegt. "Viel eher bedarf es einer Überprüfung unserer Ziele und einer effektiven Strategie zu deren Erreichung. Erst im dritten Schritt sollten wir über die hierfür notwendigen Mittel nachdenken." Für Uhl ist "klar, dass wir die Polizeiausbildung deutlich verstärken müssen".

Kommentare zu " „Fatale Konsequenzen“: Taliban drohen Südkorea"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%