Faule Kredite
London schnürt ein neues Rettungspaket

Hunderte von Milliarden Pfund hat der britische Premierminister Gordon Brown bereits für die Rettung des Bankensystems auf der Insel ausgegeben, doch er muss noch einmal tief in die Tasche greifen. Brown will die Banken gegen Ausfälle bei faulen Krediten versichern – der Steuerzahler soll bürgen.

LONDON. Über das Wochenende arbeitete die britische Regierung fieberhaft an einem zweiten Rettungspaket im dreistelligen Milliardenbereich, das bereits Anfang dieser Woche vorgestellt werden könnte. Im Zentrum des neuen Pakets sollen staatliche Garantien für „faule“ Kredite und Wertpapiere stehen. Außerdem denkt die Labour-Regierung über eine Ausweitung ihres Programms zur Rekapitalisierung der britischen Banken nach.

Vor dem Wochenende hat der Druck auf Brown und Schatzkanzler Alistair Darling noch einmal deutlich zugenommen. Die Furcht der Anleger vor neuen Schieflagen der ohnehin schwer angeschlagenen Banken löste an der Börse einen weiteren Kursrutsch aus. Die Aktien der Großbank Barclays verloren am Freitag ein Viertel ihres Börsenwerts, andere Werte wie die Royal Bank of Scotland (RBS) gerieten ebenfalls massiv unter Druck. Um den Kursrutsch zu stoppen, griff das Barclays-Management zu ungewöhnlichen Maßnahmen. Vorstandschef John Varley verkündete offiziell, dass die Bank 2008 deutlich mehr Geld verdient habe als die von Analysten geschätzten 5,3 Mrd. Pfund. Eigentlich steht das Barclays-Ergebnis erst im Februar zur Veröffentlichung an.

Grund für den Absturz an der Börse waren eine Reihe neuer Hiobsbotschaften aus dem Finanzsektor. In den USA mussten die Großbanken Citigroup und Bank of America hohe Verluste für das vergangene Jahr eingestehen, und in Irland verstaatlichte die Regierung erstmals ein Geldhaus. Nach dramatischen Kursverlusten in den vergangenen Wochen geht die schwer angeschlagene Anglo Irish Bank vollständig in den Besitz des Staates über. Dadurch sollen die Einlagen in Höhe von 80 Mrd. Euro gesichert werden.

Nach Meinung des britischen Premiers Brown lässt sich die Finanzkrise nur durch enge internationale Kooperation lösen. Ansonsten drohe die Gefahr von nationaler Isolation, bei der sich die Geldhäuser auf ihre Heimatmärkte zurückziehen. Großbritannien hat im Oktober 2008 als erstes Industrieland ein Rettungspaket für seine Banken vorgelegt. Zu Browns erstem steuerfinanzierten Programm über 500 Mrd. Pfund gehörte ein Fonds mit 50 Mrd. Pfund für direkte Beteiligungen an Kreditinstituten, aus dem sich die Großbanken bislang mit 37 Mrd. Pfund bedient haben. An der RBS hält der Staat inzwischen die Mehrheit, und nach der Zwangsfusion von Lloyds TSB und HBOS gehören der Regierung mehr als 42 Prozent des neuen Bankenriesen.

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