FDP
Suche nach dem Maulwurf

Im Berliner Politikbetrieb herrscht große Aufregung: Hat tatsächlich ein FDP-Mitglied gegenüber dem US-Botschafter Interna aus den schwarz-gelben Koalitionsgesprächen ausgeplaudert? Außenminister und FDP-Chef Guido Westerwelle glaubt nicht an die Geschichte.
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BERLIN. Es sind gar nicht die bunten Charakterisierungen der Bundesminister, die im Berliner Politikbetrieb bei der Analyse der US-Depeschen im Mittelpunkt stehen. Für Aufregung sorgt allein die Frage, ob tatsächlich ein FDP-Mitglied gegenüber dem US-Botschafter Interna aus den schwarz-gelben Koalitionsgesprächen ausgeplaudert hat. Die Liberalen bezweifeln den Vorwurf, die Union verlangt dagegen Aufklärung. "Wir wollen und werden so schnell wie möglich klären, wer der Maulwurf gewesen ist", hieß es in der Spitze der Union. Dabei müsse vor allem geklärt werden, ob die FDP-Führung über die Vorgänge informiert war. Für das ohnehin angespannte Verhältnis in der Koalition sei der Fall von "äußerster Brisanz".

FDP-Chef Guido Westerwelle will von einem Maulwurf in den eigenen Reihen nichts wissen. "Ich glaube diese Geschichte so nicht", sagte der deutsche Außenminister ausgesprochen kurz angebunden gestern in Berlin. Er werde sie deshalb auch nicht weiter bewerten. Für Westerwelle steht fest, dass kein FDP-Mitglied die Amerikaner im vergangenen Herbst über Interna aus den schwarz-gelben Koalitionsverhandlungen informiert habe. Westerwelle widerspricht damit Aussagen des amerikanischen Botschafters in Berlin, Philip Murphy. Als Quelle seiner Depeschen hatte der Botschafter laut Wikileaks einen "jungen, aufstrebenden Parteigänger" angegeben."Ich habe unverändert in die gesamte Mitarbeiterschaft der FDP ein ganz großes Vertrauen", hielt Westerwelle dagegen. Dies gelte erst recht für die Mitarbeiter, die bei den Koalitionsverhandlungen dabei gewesen seien.

Sven Afhüppe
Sven Afhüppe
Handelsblatt / Chefredakteur

Kommentare zu " FDP: Suche nach dem Maulwurf"

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  • Kann es sein, dass Westerwelle selber der informant ist, weil er von einem informanten nichts wissen will. Er ist Jung, Aufstrebend und politisch unerfahren. Sein Freund ist der Amerikanische botschafter und da kann am Abend im Gespräch am Kamin schon mal die Zunge locker sitze. Einer wie Westerwelle den der Saudi König eine Stunde warten lässt bis er ihn vorlässt, ist zu weich. Nach 15 Minuten wäre ich schon wieder richtung Flughafen unterwegs gewesen. Natürlich konnte Westerwelle in seiner Naivität nicht wissen, dass er gleichzeitig bewertet wird.Also Maulwürfe sind geschützt in Deutschland, keine Sorge.

  • Natürlich kann die FDP gar nicht anders, als alles abzuleugnen.
    Man stelle sich mal vor, da gäbe es tatsächlich einen jungen Plauderer, der bei den Koalitionsverhandlungen mit am Tisch gesessen hat und evtl. jetzt auch noch ein hohes Parteiamt innehat! Das hätte ja gerade noch gefehlt zum aktuellen Gesamterscheinungsbild der FDP. Da könnte man ja gleich dichtmachen, und nicht erst nach den nächsten Wahlen!

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