Fed-Chef Ben Bernanke
Bernankes etwas anderer Wahlkampf

Der Chef der US-Notenbank, Ben Bernanke, wirbt um eine neue Amtszeit. Dabei greift der 54-jährige auf ungewöhnliche Methoden zurück: Der unter Volkswirten äußerst beliebte Professor aus Princeton setzt nicht nur auf sein Professorentum – mit Broschüren und Auftritten in Townhall-Meetings will er die Zustimmung des Volkes erkämpfen.

NEW YORK. Es war der hochdekorierte Professor in Ben Bernanke, der auf dem traditionellen Treffen der globalen geldpolitischen Elite im US-Wintersportort Jackson Hole mit allem Geschick für zwei Dinge den Boden bereiten wollte: Die Unabhängigkeit der US-Notenbank und seine Wiederernennung als Fed-Chef.

Die Botschaft seiner akademisch-akribischen Analyse des globalen Krisenmanagements in den vergangenen zwölf Monaten war klar und eindeutig: Es waren die Zentralbanken, die mit Billionen schweren Kapitalspitzen eine Katastrophe verhindert haben, und sie müssen in aller Unabhängigkeit auch in Zukunft die zentrale Rolle bei der Krisenbekämpfung einnehmen. „Nur Zentralbanken sind gut dazu aufgestellt, ein Austrocknen der Liquidität und der Kreditvergabe des privaten Sektors auszugleichen“, sagte Bernanke. Statt mit „Reflektionen über die Krise“ hätte die Rede auch mit „Ehre, wem Ehre gebührt“ überschrieben sein können.

Der 54-jährige Bernanke befindet sich derzeit in einer schwierigen Situation. Er muss nicht nur die Aufräumarbeiten nach der anscheinend abflauenden Krise organisieren und politische Einflussnahme auf sein Institut abwehren. Da seine Amtszeit Ende Januar 2010 ausläuft, kämpft er gleichzeitig um seine Wiederernennung durch Präsident Barack Obama.

Von Obama hat Bernanke zwar das eine oder andere Mal eine Art verbales Schulterklopfen für seine Arbeit erhalten. Aber ansonsten schweigt sich dieser bislang aus. Das hat nicht nur damit zu tun, dass Bernanke noch von Vorgänger George W. Bush ernannt wurde. Auch Bernankes viel kritisierte Rolle beim Verkauf der Investmentbank Merrill Lynch an die Bank of America im Krisenwinter 2008 spielt eine Rolle.

Stundenlang musste Bernanke zuletzt in einer im Fernsehen übertragenen Parlamentsanhörung Rede und Antwort stehen, ob er die Führung von Bank of America dazu angehalten hat, den Aktionären den sich abzeichnenden Milliardenverlust von Merrill Lynch zu verschweigen. Er bestreitet dies.

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