International
Fed-Chef verteidigt Vorgehen bei Aktienblase

Alan Greenspan hat das Verhalten der US-Notenbank während und nach der Aktienblase der 90er Jahre verteidigt. Es sei richtig gewesen, nur die negativen Folgen der geplatzten Blase zu mindern.

HB BERLIN. Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) hat nach Einschätzung ihres Vorsitzenden Alan Greenspan keine Fehler bei der Aktienblase in den 90er Jahren gemacht. Die Zeit habe gezeigt, dass die Entscheidung, die Blase nicht zerstören zu wollen, richtig gewesen sei, sagte Greenspan am Samstag vor der Amerikanischen Wirtschaftsvereinigung im kalifornischen San Diego.

«Es gibt offenbar – zumindest vorläufig – ausreichend viele Beweise dafür, dass die Strategie erfolgreich gewesen ist, der Auswirkung der spekulativen Aufblähung der Aktienkurse und nicht der Aktienblase selbst zu begegnen.» Beim Versuch, die Blase zu stoppen, wäre die Fed Gefahr gelaufen, die gesamte US-Wirtschaft zu destabilisieren, sagte der Fed-Chef.

Greenspan wies die Vorstellung, eine schrittweise Zinssenkung hätte die aufgeblähten Aktienkurse Ende der 90er Jahre unter Beibehaltung von wirtschaftlicher Stabilität verhindern können, als «Illusion» zurück. Kritiker hatten wiederholt beanstandet, die Fed habe nichts getan, um die Aktienblase zu verhindern. Greenspan sagte, es sei schwierig festzustellen, wann eine Blase am Markt entstehe.

Außerdem hätten Erfahrungen aus der Vergangenheit gezeigt, dass eine Zinserhöhung mit dem Ziel, Aktienkurse zu drücken, danach oft zu steigenden Kursen führe, erläuterte der Fed-Chef. Stattdessen versuchte die Notenbank, mit massiven Zinssenkungen die Folgen der im Jahr 2000 geplatzten Blase zu begrenzen. Damit hatte die Fed Erfolg, wie Greenspan hervorhob: Trotz der einbrechenden Aktienmärkte, den Anschlägen vom September 2001, Bilanzskandalen und Kriegen in Afghanistan und Irak hätten die USA eine ungewöhnlich milde Rezession erlebt.

Die Notenbank hatte seit Anfang 2001 den Leitzins um mehr als fünf Prozentpunkte gesenkt. Er steht derzeit mit 1,0 Prozent auf dem niedrigsten Niveau seit 45 Jahren. Zur weiteren Zinsentwicklung in den USA äußerte sich Greenspan indes nicht. Beobachter erwarten, dass der Zinssatz noch längere Zeit unverändert bleiben wird.

Der langjährige Vorsitzende der US-Notenbank ergänzte, es sei «eine Zeit lang» eher unwahrscheinlich, dass sich eine neue Aktienblase bilde. Er rechne aber mit immer wieder einmal auftauchenden Blasen, da sie dem Menschen innewohnten. «Wir neigen dazu, ohne den Blick auf vergangene Erfahrungen immer weiter zu machen wie bisher.»

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