Fehlender Mechanismus
IWF-Chef Strauss-Kahn warnt vor neuer Krise

Der Chef des Internationalen Währungsfonds, Dominique Strauss-Kahn, hält die Situation in Europa für beunruhigend. Er drängt auf die schnelle Schaffung eines effektiven Krisenmechanismus. Andernfalls drohe eine neue Krise. Derweil eskaliert der Streit über die Euro-Bonds. Dabei stehen sich als Protagonisten Bundeskanzlerin Angela Merkel und der Euro-Gruppen-Chef Jean-Claude Juncker gegenüber.
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HB GENF/BERLIN. Die derzeitigen Krisen in Griechenland und Irland zeigen nach Ansicht von IWF-Chef Strauss-Kahn, dass es sogenannter "Werkzeuge zur Krisenlösung" bedürfe. "Aber auf diesem Gebiet ist bisher zu wenig getan worden", krititsierte er am Mittwoch in Genf. "Dies kann sehr gut zur nächsten Krise führen." Die Zukunft sei unsicherer denn je.

Überhaupt kommen Dominique Strauss-Kahn die im Zusammenhang mit der Finanzkrise angeschobenen Reformen zu langsam voran. "Ich denke, dass wir uns auf diesem Gebiet nicht schnell genug bewegen", sagte er bei einem internationalen Symposium bei den Vereinten Nationen. "Die Reform des Bankensektors und der Regularien waren beide dringend und notwendig. Aber die Regularien sind nur ein Pfeiler. Die anderen beiden Pfeiler sind Überwachung und Krisenlösung."

Man könne bereits bestehende Regeln haben, "aber bei einer nicht ausreichenden Befolgung liegt das Unheil gleich um die Ecke", sagte der IWF-Chef. Das habe sich auch bei der von den USA ausgehenden Hypothekenkrise gezeigt. "Es waren ja nicht gerade die Regularien, sondern die Aufsicht, die versagt hat."

Eine schnelle Einigung der EU über die richtigen Rezepte gegen die Euro-Krise schein aber weit entfernt. Vielmehr eskaliert der Streit. Luxemburgs Ministerpräsident und Euro-Gruppen-Chef Jean-Claude Juncker warf der Bundesregierung am Mittwoch simples Denken vor, weil sie gemeinsame Staatsanleihen der Euro-Länder strikt ablehnt.

Regierungssprecher Steffen Seibert und Vertreter der Regierungsfraktionen wiesen die Kritik zurück: Gegen solche Euro-Bonds sprächen derzeit ökonomische und juristische Gründe.

Bundeskanzlerin Angela Merkel mahnte zur zielorientierten Sacharbeit und forderte vom EU-Gipfel kommende Woche ein starkes Signal für die Stabilität des Euro.

Juncker hatte erneut vorgeschlagen, dass die Euro-Bonds die Spekulationen gegen hoch verschuldete Euroländer beenden könnten. Ein Teil der nationalen Schulden sollte auf europäischer Ebene gebündelt und durch gemeinsame Anleihen refinanziert werden. Für den überwiegenden Teil ihrer Staatsschulden sollen die Euro-Länder aber wie bisher alleine bürgen. Die Bundesregierung fürchtet, der Vorschlag könnte sie Milliarden kosten. Denn der Zins für Euro-Bonds dürfte deutlich über dem für die erstklassig bewerteten Bundesanleihen liegen.

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  • Ducken von D-Mark die EU-komplett verlassen siehe CH-Wirtschaft,ein hoher Franke disziplieniert und hilft die Wirtschaft fit zu halten.DE-gibt eh den buhmann ab und rettet jeden verschuldeten Staat und bringt sich selber in eine prikäre Situation.Weg mit den Schrott.eine Missgeburt die nicht lebensfähig ist.Politisch gewollt und ansonsten unsinnig,man sollte auch eine juristische Aufarbeitung in betracht ziehen.

  • internationalen Handel gibt es schon seit Jahrtausenden. Dazu brauche ich keinen EURO, keine EU und auch keine "Globalisierung". Für mich ist der EURO nichts anderes als eine Fortsetzung des Versailler Vertrages mit anderen Mitteln.

  • Mitterand wollte unbedingt den Euro! Er hatte Angst vor der "deutschen Atombombe", welche wir nicht haben. Damit meinter er nach eigener Aussage die Deutsche Mark. Den Fehler, welchen Kohl und Waigel begangen haben, war, sich darauf einzulassen.
    Jedenfalls war es NiCHT DEUTSCHLAND, dass die übereilte Einführung des Euros forderte.

    Unsere Politiker haben das getan, was sie immer tun. Sie haben sich die Sachlage schön geredet. Das tun sie auch heute noch.

    Denken Sie mal zurück an 2001. Es gab sogar TV-Werbespots für diesen Euro bei uns! Warum wohl??? Weil die deutsche bevölkerung eben nicht davon überzeugt war (und ist). Mitterand hat Recht behalten. Der Euro ist wie Versailles, nur ohne Krieg. Letztendlich läuft doch alles nur darauf hinaus, dass wir für alles und alle zahlen sollen. Solange, bis wir auch pleite sind. Weit davon entfernt sind wir nicht mehr.

    Auch meine Familie und ich denken bereits über ein Verlassen der europäischen Zone nach. Das Euro-Fiasko kann nur noch in einem totalen Reinfall enden. Die Leidtragenden sind dann wieder wir, die deutsche bevölkerung. Wir wollten diese EU nicht - und haben sie bekommen, genauso wie den ungeliebten Euro.

    Die Politoligarchie setzt sich ungeniert über den Willen der bevölkerung hinweg und meint noch, dass sie alles besser weiß und richtig macht. 8 Jahre später konnte das dann keiner voraussehen und alles andere ist "alternativlos".
    Griechenland, irland, Portugal und Spanien sind faktisch schon bankrott. Auch Deutschland konnte gestern nicht alle Anleihen am Markt platzieren. Die Amis unken schon: "Wetten gegen den Euro kann man nicht verlieren." Und damit haben sie Recht. im letzten Mai konnte auch Frankreich nicht mehr alle Anleihen am Markt unterbekommen!!!
    Wer will da noch an den Euro glauben??? Deutschland ist nicht das Weltsozialamt und auch nicht der Retter der EU und des Euros. Dafür sind wir viel zu klein. Haben wir doch in unserem eigenen Land nur 3 Geberländer. Die restlichen bundesländer müssen auch finanziert werden. Wer rechnen kann, weiß, dass dieses Experiment des Euros zum Scheitern verurteilt ist. Die einzige Frage welche bleibt ist, wie lange die Politik es noch verhindern kann, das Totenglöckchen zu läuten.

    ich würde es begrüßen, wenn unsere Politiker den Mut hätten, dies zuzugeben und die Konsequenzen zu ziehen. Das wird mit Sicherheit nicht einfach. Aber je länger man das hinaus zieht, umso schlimmer wird es werden.

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