Fehlerhafte Frequenzvergabe
Korruptionsfall kostet Indien Milliarden

Ein milliardenschwerer Korruptionsskandal erschüttert Indiens Telekomsektor. Mehreren Unternehmen drohen hohe Nachforderungen der Regierung auf den Preis für Mobilfunklizenzen. Diese wurden bereits vor drei Jahren vergeben. Allerdings erzielten die begehrten Frequenzen damals nur Schleuderpreise.
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NEU-DELHI. Ein milliardenschwerer Korruptionsskandal in Indiens Telekomsektor wirft ein Schlaglicht auf die Risiken für Investoren in Asiens zweitgrößtem Wachstumsmarkt nach China. Mehreren Unternehmen drohen hohe Nachforderungen der Regierung auf den Preis für Mobilfunklizenzen, die bereits vor knapp drei Jahren vergeben wurden. Die Telekom-Regulierungsbehörde hat sogar empfohlen, den begünstigten Firmen die Frequenzen wieder zu entziehen. Betroffen sind unter anderem der norwegische Mobilfunkkonzern Telenor, weltweit der fünftgrößte Anbieter, sowie Etisalat aus Abu Dhabi und möglicherweise auch der britische Weltmarktführer Vodafone.

Dem Telekomministerium wird vorgeworfen, im Januar 2008 Frequenzen für den Mobilfunk der zweiten Generation (G2) ohne die übliche Auktion zu Schleuderpreisen vergeben zu haben. Nach Ermittlungen des Rechnungshofs sollen dem Staat dadurch Einnahmen in Höhe von bis zu 28,3 Mrd. Euro entgangen sein. Vergangene Woche feuerte Ministerpräsident Manmohan Singh seinen Telekomminister Andimuthu Raja. Er steht im Verdacht, das Verfahren der Lizenzvergabe mehrfach kurzfristig geändert und damit ausgewählten Bewerbern rechtswidrig Vorteile verschafft zu haben. Raja bestreitet die Vorwürfe.

Telenor und Etisalat sind möglicherweise unverschuldet in den Strudel des Skandals geraten. Die beiden Mobilfunkbetreiber erwarben erst einige Zeit nach der Lizenzvergabe Anteile an indischen Firmen, die von Raja begünstigt worden sein sollen. Telenor wies am Wochenende den Vorwurf zurück, es habe möglicherweise von Korruption bei seinem indischen Partner Unitech profitiert. Zu den bekanntesten indischen Mobilfunkbetreibern, die Lizenzen zu Schleuderpreisen bekamen, sollen unter anderem Reliance Communications des Multimilliardärs Anil Ambani sowie die Tata-Gruppe gehören.

Der Korruptionsskandal ist bereits der dritte in wenigen Wochen. Anfang November zwang Singhs Kongresspartei den Ministerpräsidenten des Bundesstaats Maharashtra wegen illegaler Immobiliengeschäfte zum Rücktritt. Zuvor hatte die korrupte Auftragsvergabe für das Sportereignis Commonwealth Games weltweit Indiens Ruf beschädigt.

Helmut Hauschild
Helmut Hauschild
Handelsblatt / Korrespondent

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