Feierstunde zum 6. Juni
Sarkos Ärger mit der Queen

Wer die Wahl hat, sich mit einem athletischen Charmeur oder einer älteren Dame auf einem Foto zu zeigen, wird sich vermutlich für ersteren entscheiden. So gesehen ist es dem französischen Präsidenten Sarkozy kaum übelzunehmen, wenn er zum 65. Landungstag der Alliierten in der Normandie lieber US-Präsident Obama und nicht die britische Königin eingeladen hat. Doch damit fängt der Ärger erst richtig an.

PARIS.Er wollte doch bloß einmal mit ihm allein sein: Seit Monaten ringt Frankreichs Staatschef Nicolas Sarkozy darum, seinen US-Amtskollegen Barack Obama zu einem gemeinsamen Besuch der Landungsstrände in der Normandie zu überreden. Die Macher im Elysée-Palast träumen von starken Bildern: Sarkozy und Obama, allein auf dem Strand, wo die US-Boys vor 65 Jahren ihr Leben zur Befreiung Frankreichs und Europas gaben.

Jetzt hat Obama tatsächlich für den 6. Juni zugesagt. Doch der Ärger fängt nun erst richtig an - und kommt aus einer Ecke, mit der Sarkozy überhaupt nicht gerechnet hatte: aus Großbritannien.

"Skandal", schimpft die britische Boulevard-Zeitung "Daily Mail". Denn Sarkozy habe die Queen zu dem Besuch der geschichtsträchtigen Strände in Nordfrankreich nicht eingeladen. Dabei ist die Queen doch Oberhaupt des Commenwealth und damit auch Kanadas. Sarkozy solle daher wissen, dass "die britischen und kanadischen Truppen mehr als die Hälfte der Streitkräfte stellten", die am "D-Day" angriffen, tobt das Boulevard-Blatt. Und beschimpft Sarkozy als "Miniatur-Egozentriker".

Frankreichs Regierung versucht jetzt verzweifelt, den Streit als eine innerbritische Angelegenheit abzutun. "Die Königin von England ist selbstverständlich willkommen", sagte gestern Regierungssprecher Luc Chatel. "Unser Gesprächspartner in Bezug auf die Zeremonie ist die britische Regierung, die gewünscht hat, sich daran zu beteiligen." Im Klartext: Wer von englischer Seite kommt, ist nicht unser Problem. Und weiter: "Ursprünglich war der 6. Juni als französisch-amerikanische Feierstunde geplant." Aber auch Großbritanniens Regierungschef Gordon Brown möchte eben auf den Bildern von den geschichtsbeladenen Stränden zu sehen sein. Schließlich steckt der britische Premierminister im Dauer-Umfragetief.

Nun hat der Ärger um die Gästeliste für den 6. Juni eine internationale Dimension bekommen. Denn seit Wochen schon tobt die französische Opposition. Sie wähnt hinter der Feierstunde in Wahrheit eine versteckte Wahlkampfaktion von Sarkozy. Denn Obama kommt just am Vortag der Europa-Wahl.

Daher fordert Grünen-Chef Daniel Cohn-Bendit, dass alle Spitzenkandidaten der Wahl am Strand auflaufen sollen. Schließlich gehöre der 6. Juni allen Europäern und nicht Nicolas Sarkozy. Der 6. Juni sei nun ein Test, ob Sarkozy ein "Egomane" sei oder aber "Präsident von ganz Frankreich, das sich Europa öffnet".

Gut nur, dass Obama bereits am 4. Juni Deutschland besucht. Da hat ihn Bundeskanzlerin Angela Merkel dann ganz für sich allein.

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