Feindliche Übernahmen
Italien will Staatsfonds abwehren

In Italien steigt die Angst vor Übernahmen durch ausländische Staatsfonds. Schuld sind die niedrigen Aktienkurse. Erst Ende vergangener Woche hat der lybische Staat seinen Anteil an der Großbank Unicredit erhöht. Nun arbeitet die Regierung unter Silvio Berlusconi mit Hochdruck an Gesetzen, die Unternehmen vor feindlichen Übernahmen schützen sollen.

MAILAND. Der Premierminister warnte vor der Gefahr von „feindlichen Übernahmeangeboten für viele wertvolle italienische Unternehmen, die heute einen Aktienkurs haben, der nicht ihrem gerechten Wert entspricht“. Dabei warnte er vor allem vor „Staatsfonds Ölproduzierender Länder“.

Wie aktuell das Thema ist, zeigt die jüngste Beteiligung des libyschen Staats an der italienischen Großbank Unicredit. Ende der Woche gaben die libysche Notenbank, der libysche Staatsfonds und die Libyan Foreign Bank bekannt, dass sie ihren Anteil an Unicredit von bisher weniger als einem Prozent auf 4,23 Prozent erhöht haben. Eine Übernahme ist das noch nicht, aber ein Anzeichen, dass ausländische staatliche Investoren mittlerweile auch italienische Aktiengesellschaften ins Visier nehmen.

Italiens Banken sind zwar bislang weniger von den direkten Auswirkungen der weltweiten Finanzkrise betroffen, weil sie seltener heikle Risikotitel in ihren Portfolios haben. Die Regierung hat daher bis heute auch kein einziges Mal einspringen müssen, um eine Bank zu retten. Aber auch die italienischen Finanzinstitute und Unternehmen leiden unter der generell mangelnden Liquidität und dem gesunkenen Vertrauen der Investoren. Mit den niedrigen Aktienkursen sind auf einmal wichtige Industrie-Unternehmen und Banken günstig zu haben und könnten so Investoren locken. Und gerade jene Staatsfonds, die von dem hohen Ölpreis in der ersten Jahreshälfte profitiert haben, könnten nun zugreifen, wie Berlusconi fürchtet.

Bisher haben Staatsfonds in Italien im Gegensatz zu anderen europäischen Ländern wie Deutschland kaum eine Rolle gespielt. Sie haben sich vor allem auf kleinere Beteiligungen an Modefirmen oder Fußballclubs beschränkt, wie etwa die arabischen Emirate. Das größte Investment war bisher der Einstieg des Staatsfonds Government of Singapore Investment Corp (Gic) bei der Holding Sintonia, die die Infrastruktur-Aktivitäten der Benetton-Familie bündelt. Der Staatsfonds aus Singapur hat sich für eine Milliarde Euro mit 14,3 Prozent an Sintonia beteiligt. Doch das ist eine Minderheitsbeteiligung, die den Segen beider Seiten hatte.

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