Feindselige Stimmung
Nahost: Deutschland-Image bekommt Kratzer

Marinesoldaten vor der Küste, Sanktionen gegen Palästina: Die Rolle der Bundesrepublik im Nahost-Konflikt wird in den arabischen Staaten zunehmend kritisiert. Vor allem im Libanon entwickelt sich eine antideutsche Stimmung. Der Beginn des Prozesses gegen den Kölner Kofferbomber in Beirut ist ein Grund, aber auch andere Entscheidungen Berlins erhitzen die Gemüter. Der Versuch einer Erklärung.

Deutsche Medien berichteten in letzter Zeit über zunehmende antideutsche Stimmungen in Libanon im Zusammenhang mit dem Beginn des Prozesses gegen den Kölner Kofferbomber in Beirut. Diese Meldungen, so überzogen sie teilweise dargestellt wurden, enthalten auch einen Funken Wahrheit. Denn die Libanesen sind hinsichtlich der politischen Rolle Deutschlands im Nahen Osten tief gespalten. Es gibt deutschfreundliche wie antideutsche Libanesen. Dies hängt mit der politischen Polarisierung im Zedernland zusamen und nicht mit der Augenfarbe der Deutschen.

Deutschland genoß bis zu seiner Wiedervereinigung in Libanon und in der arabischen Welt hohes Ansehen und Bewunderung. Denn es war weder an der europäischen Kolonialisierung der Region beteiligt, noch direkt in die regionalen Konflikte involviert. Das besondere deutsche Verhältnis zu Israel wurde von breiten Teilen der arabischen politischen Eliten nicht beanstandet. Denn vor allem die USA waren spätestens seit 1967 die strategischen Verbündeten Israels.

Das in der arabischen Welt idealisierte Bild Deutschlands als mögliches Gegengewicht zu den verhassten Amerikanern, Engländern und Franzosen erhielt nach der deutschen Einheit die ersten Risse. Das Ende des kalten Krieges brachte dem Nahen Osten nicht den gewünschten Frieden. Die Hoffnungen der 90er Jahre des vorigen Jahrhunderts auf eine Lösung des israelisch-arabischen Konfliktes brachen mit der zweiten Intifada im Herbst 2000 endgültig zusammen.

Im palästinensisch-israelischen Konflikt hat Deutschland seither die israelische Seite nahezu bedingungslos unterstützt. Diese Politik, unabhängig davon ob man sie als richtig oder schlecht betrachtet, wird konstant vertreten, ohne die Interessen der Palästinenser auch nur minimal zu berücksichtigen und ohne sie der arabischen Öffentlichkeit zu erklären.

Es ist in der arabischen Welt beispielsweise schwer zu verdauen, warum die von Israel errichtete Mauer inmitten Palästinas akzeptiert wird, während man in Deutschland das Verschwinden der Berliner Mauer feierte. Ein ähnliches Problem hat man mit dem letzten Libanonkrieg. Die Bundesregierung stellte sich gegen eine sofortige Einstellung der Kampfhandlungen und rechtfertigte den unverhältnismäßigen kriegerischen Akt Israels als legitime Selbstverteidigung.

Bundesmarine vor der Küste sorgt für Unruhe

Zudem hat die von der Bundeskanzlerin gestellte Aufgabe für die Bundesmarine im libanesischen Gewässer, das Existenzrecht Israels zu schützen, nicht für Sympathie für die deutsche Politik gesorgt. Während deutsche Matrosen den Waffenschmuggel für die Hisbollah zu verhindern suchen, beliefert Deutschland Israel mit modernen U-Boote. Daß breite Teile der libanesischen Bevölkerung diese Politik ablehnen, darf man auf keinen Fall mit den kriminellen Umtrieben radikaler Islamisten in Zusammenhang bringen.

Besonders seit dem Ausbruch der Krise zwischen der Regierungsmehrheit und der von der Hisbollah geführten Opposition im vorigen Herbst ist der Libanon tief gespalten und zum Schauplatz der Machtkämpfe regionaler und internationaler Mächte geworden. Der Westen unterstützt die Regierung Al Senioras und unterhält so gut wie keinen Kontakt zur libanesischen Opposition und zu deren syrischen Verbündeten.

Diese politische Parteinahme wird von der Opposition als Einmischung dargestellt. Hier steht keine ausschließlich antideutsche Haltung im Vordergrund, sondern die Ablehnung der gegenwärtigen westlichen Politik, die vom Regierungslager bejubelt wird. Die libanesischen Konfliktparteien haben eine lange Geschichte bei der Einschaltung des Auslands in ihre unversöhnlichen Machtkämpfen. Deshalb stellt sich die Frage, ob die gegenwärtige Libanon-Politik der Bundesregierung wirklich im deutschen Interesse liegt und letztendlich im Sinne der politischen Stabilisierung des Libanons ist. Eine schwierige Frage, die noch auf überzeugende Antworten wartet.

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