Ferguson kommt etwas zur Ruhe
Pfefferspray statt Tränengas

Panzerwagen rollen wieder, doch zu schweren Zusammenstößen kommt es in Ferguson nicht. Statt Granaten und Molotowcocktails fliegen Wasserflaschen. Der US-Justizminister reist an und verspricht eine faire Untersuchung.
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FergusonWieder ein toter Afroamerikaner, wieder stirbt er durch Schüsse der Polizei, wieder liegt der Tatort in der Gegend von St. Louis im US-Staat Missouri. Eigentlich stand zu vermuten, dass die ohnehin explosive Lage in Ferguson durch den neuen Todesfall nun völlig aus dem Ruder läuft.

Doch es bleibt bei einem Scharmützel kurz vor Mitternacht: Eine Handvoll teils vermummter Protestler huscht schnell hinter der Menge zwischen ein paar Autos hindurch, Reporter jagen mit Kameras hinterher. Polizeitrupps stampfen über den Asphalt, Schutzschilde werden gehoben und Knüppel gezückt.

Ein weißer Polizist richtet sein halbautomatisches Sturmgewehr auf einen schwarzen Mann, der mit erhobenen Händen in den Lauf der Waffe blickt. Kameralampen leuchten in das Gesicht des Polizisten, der sich auf einmal von Demonstranten, Schaulustigen und Journalisten umzingelt sieht.

Er zielt mit seiner Waffe schnell nach links und rechts auf ein Dutzend Unbeteiligte, Kameras blitzen auf. Und gerade als man das Schlimmste vermutet, passiert etwas Außergewöhnliches: Ein zweiter Polizist drückt die Waffe herunter und zieht den eingekreisten Beamten beiseite. Im Handumdrehen löst sich die Gruppe auf.

Es bleibt einer der wenigen brisanten Momente. Der Vorfall zeigt, wie unterschiedlich die Polizeikräfte in Ferguson auf echte oder vermeintliche Bedrohungen reagieren.

Höchst unterschiedlich ist auch die Gruppe aus mehreren hundert Männern und Frauen, die für den getöteten schwarzen Jugendlichen Michael Brown auf die Straße gehen: Geistliche, Mütter, Brüder und einige vermummte Männer in Unterhemden.

„Ich weiß, dass vieles davon falsch war“, sagt einer von ihnen in Bezug auf die Gewalt der vergangenen Tage. Aber: Die Plünderungen, die Brände, die Ausschreitungen, das alles sei nötig gewesen, um eine Botschaft zu transportieren. Die Botschaft, dass die schwarze Bevölkerung von Ferguson es satt hat, unterdrückt zu werden.

Was er den Geschäftsbesitzern sagen würde, die ihre Läden mit Holzlatten zugenagelt haben und wegen der Unruhen in Ferguson nun Verluste machen? „Das passiert, wenn wir einen Aufstand machen!“ Er schlägt mit der Faust fest in seine linke Hand.

Seite 1:

Pfefferspray statt Tränengas

Seite 2:

US-Justizminister spricht mit Browns Eltern

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  • wer seinen kindern sugeriert
    das es eine ehre ist für die freiheit irgend wo fernab der heimat zu sterben ist nicht sauber im kopf
    denn die eliten meinen nicht -in keinem system ist das anders- die freiheit des sterbenden sondern nur ihre freiheit u.a. andere zu schikanieren, auszubeuten, über den löffel zu balbieren etc.
    zizat: "es ist gut
    das man die eine hälfte der armen bezahlen kann
    damit sie die andere umbringt"

    und dafür ist es wichtig das CEOs, Kredithaie etc.
    soviel verdienen, dass sie das auch bezahlen können
    die zukünftigen toten brauchen das geld sowieso nicht

    wer aber so handelt
    braucht sich nicht zu wundern
    dass die "benachteiligten" nicht elitären subjekte nur ein streichholz brauchen
    um in ihrer heimat
    mit geöffneter brust und einer flasche in der hand
    in die gewehrgarben abgefeuert von der "ersten hälfte der armen"(siehe oben) zu rennen

    was sind die verluste der händler
    gegen den verlust des lebens

  • Was in den USA immer wieder vorkommt, dass auf Unbewaffnete derart geschossen wird.
    Hier sollte man sich mal fragen, ob dort bei der Polizei Wilde oder Primitive sind.
    Auch wenn der Jugne einen Laden beklaut hat, kann man nicht zigmal auf ihn schießen, denn er war unbewaffnet
    Amerika muß endlich mal die Polizei in Ordnung bringen

  • Den Kommentar meines Kollegen in USA hatte ich gestern etwas gekürzt (2000 Zeichen Limit). Vielleicht ist der Aspekt des Naturgesetzes doch noch ein interessanter, daher hier der ganze Text dazu:

    Science magazine recently had an article on an analysis by "econophysicists" of income distribution, and found it to be exponential (just as one might expect from physicists playing with economics).
    If it is indeed exponential, then there is no problem of income inequality. I saw the problem with that immediately. They had done the analysis over only a small range, and even then the errors in the tails get lost in the linear plot that they showed. (One might ask, who is it that hires and pays 'econophysicists' if not the 1%?)
    I went back to data from the Wall Street Journal and found the distribution to be clearly power-law rather than exponential. It leaves no doubt at all.
    A power-law distribution is what you expect when there is not one dominant "scale-setting" factor, and in our economy we have many such factors. Different economic entities are not well-coupled.
    Since we are in an era of minimal regulation, the power-law distribution probably does reflect the working out of "natural" forces.
    Any other outcome would have to be engineered politically. And that has become unacceptable in the US. Germany is actually not far behind in actuality, although it is still poles apart in perception.

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