Fernsehdebatte der Republikaner Ende der Schonzeit

35 Tage vor dem ersten Vorwahltermin haben sich die republikanischen Präsidentschaftsanwärter in den USA eine Fernsehdebatte geliefert, bei der der Außenseiter vom Streit des Spitzenduos profitierte. Und weil CNN geschlampt hatte, konnte ausgerechnet die Demokratin Hillary Clinton bei der Debatte auf Umwegen mitreden.
Mitt Romney (links) hört seinem Konkurrenten Rudy Giuliani zu. Foto: ap Quelle: ap

Mitt Romney (links) hört seinem Konkurrenten Rudy Giuliani zu. Foto: ap

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WASHINGTON. Die Debatte hatte noch gar nicht richtig angefangen, da wurde sie schon giftig. Mitt Romney, gottesfürchtiger Mormone und Ex-Gouverneur von Massachusetts, warf Rudy Giuliani vor, als Bürgermeister New York in einen Zufluchtsort für illegale Einwanderer verwandelt zu haben. Und Giuliani schoss zurück, er, Romney, habe illegale Arbeiter in seinem Haus beschäftigt. „Holier-than-thou“ sei Romney, ätzte Giuliani, mit anderen Worten: ein Pharisäer.

Ganze acht Minuten zog sich der harte Schlagabtausch hin und machte deutlich, wie heiß das Rennen um das republikanische Spitzenticket inzwischen geworden ist. 35 Tage vor dem ersten Vorwahltermin in Iowa werden die Glacéhandschuhe in beiden Parteien abgelegt. Ob dies nun Hillary Clinton, Barack Obama oder John Edwards bei den Demokraten betrifft oder Romney, Giuliani oder Mike Huckabee bei den Republikanern. Immer weniger geht es um die Differenzen zwischen den großen politischen Lagern. Dafür immer mehr um die Profilierung im eigenen Camp.

Aufgeladen bei den Republikanern ist die Stimmung dabei durch den Aufstieg eines Dritten. Mike Huckabee, einst Gouverneur in Arkansas, legt derzeit eine derart rasante Aufholjagd hin, dass Romney und Giuliani schwindlig wird. Nach einer Umfrage des Rasmussen Reports führt der Evangelikale Huckabee in Iowa bereits mit drei Prozentpunkten vor Romney, der den Sieg in dem Farmstaat schon sicher glaubte.

Und auch bei der YouTube/CNN-Debatte am Mittwochabend in St. Petersburg in Florida war es Huckabee, der von den Streitereien der anderen am meisten profitierte. Huckabee wirkte ehrlich dort, wo die anderen vage blieben, er machte nicht jeden Gimmick mit, den die YouTube-Fragesteller parat hatten – und vor allem: Huckabee war schlagfertig.

Als der 52-Jährige die Frage beantworten sollte, ob Jesus Christus für die Todesstrafe sein würde, reagierte Huckabee mit dem Satz: „Jesus war viel zu klug, um für ein öffentliches Amt zu kandidieren“. Und heftige Anwürfe seiner Konkurrenten, er habe als Gouverneur von Arkansas Kindern von illegalen Einwanderern zu verbilligten Studiengebühren verholfen, parierte er mit der Bemerkung: „Bei allem Respekt – aber wir sind ein besseres Land, als dass wir die Kinder für die Fehler ihrer Eltern büßen lassen würden“. Huckabee genoss in vollen Zügen das Image des Außenseiters, der am Ende vielleicht sogar der lachende Dritte sein könnte.

Dass jedoch abgesehen von Huckabee noch ein anderer dem Spitzenduo Giuliani/Romney die Suppe versalzen könnte, ist schwer vorstellbar. So kann der aufrichtige John McCain bislang viel weniger als erwartet davon profitieren, dass es militärische Hoffnungszeichen im Irak gibt. Fred Thompson, der spät in das Rennen eingestiegen war, kompensiert mit entschlossener Mimik fehlende Klarheit in seinen Aussagen – und wirkt stets so, als bewege er sich bei jeder Frage auf dünnstem Eis.

Bleibt noch der libertäre Ron Paul, der Vernünftiges – etwa zum Irak – mit Unvernünftigem – Ausstieg der USA aus nahezu sämtlichen internationalen Organisationen – mischt, und sich damit im Grunde disqualifiziert. Interessant wird deshalb, wem im Lauf der Vorwahlen jene Stimmen zufallen, die bislang für Thompson und McCain deklariert werden. Sollte etwa Huckabee aus dem Thompson-Potenzial schöpfen können, wäre für den Liebling vieler amerikanischer Christen noch einiges zu holen.

Kurz nach dem zweistündigen Marathon hatte die CNN/YouTube-Debatte dann auch noch ihren Mini-Skandal. Denn ein Fragesteller zur Diskussion über Homosexualität in der Armee, der die Kandidaten in Bedrängnis brachte, stellte sich als Aktivist im Team von Hillary Clinton heraus. Den Rechercheuren von CNN war dieser Hintergrund ganz offensichtlich entgangen. Zuvor hatte wieder Huckabee den besten Moment: Gefragt, wie er zur geplanten Mars-Mission der USA stehe, empfahl er als erste Kandidatin für den knapp dreijährigen Flug: Hillary Clinton.

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