Festnahme am Flughafen
Deutsche in Kenia unter Terrorverdacht

Die Behörden in Kenia haben zwei deutsche Journalisten unter Terrorismus-Verdacht festgenommen. Derweil ging die Gewalt im Land weiter. Bei neuen Unruhen nach der umstrittenen Wiederwahl von Präsident Kibaki starben mindestens 13 Menschen.

HB NAIROBI. Die Behörden in Kenia haben zwei Deutsche unter Terrorismus-Verdacht festgenommen. Kenias Polizei erklärte am Freitag, die festgenommenen Deutschen Andrej Hermlin und Uwe Hauth sowie die Niederländerin Fleur Van Dissel seien als Journalisten eingereist. Bei ihnen seien Fotos von „wichtigen Einrichtungen“ des Landes gefunden worden und sie hätten sich verdächtig verhalten. Die Zeitschrift „Super Illu“ erklärte, der 42-jährige Hermlin - Sohn des verstorbenen Schriftstellers Stephan Hermlin und bekannter Swing-Musiker in Berlin - habe für das Blatt an einer Reportage über die Zustände in Kenia gearbeitet. Über die Gründe der Verhaftung könne bislang nur gerätselt werden.

Beim Auswärtigen Amt in Berlin hieß es, man habe Kenntnis von der Festnahme zweier Deutscher. Sie seien kurz vor ihrer geplanten Ausreise auf dem Flughafen Nairobi festgesetzt worden. Die Botschaft sei in Kontakt mit den örtlichen Behörden, um eine schnelle Freilassung zu erreichen.

Anfang Januar war in der Zeitung „Junge Welt“ ein Interview mit Andrej Hermlin veröffentlicht worden. Darin erklärt er, er sei Jazzmusiker, lebe in Berlin, sei mit einer Kenianerin verheiratet und vier- bis fünfmal pro Jahr in Kenia. Zudem sagte Hermlin, er kenne den kenianischen Oppositionsführer Raila Odinga persönlich. Hermlin warf Präsident Mwai Kibaki zudem Wahlfälschungen vor. In Berlin ist Andrej Hermlin auch als Swing-Musiker bekannt.

In diplomatischen Kreisen hieß es, Hermlin und der Fotograf Hauth hätten in Kenia an einer Geschichte gearbeitet und eine Art journalistische Akkreditierung besessen. Ein Sprecher der kenianischen Oppositionsbewegung ODM sagte, die Niederländerin van Dissel habe an einer Dokumentation über Oppositionsführer Odinga gearbeitet.

Derweil ging die Gewalt in Kenia weiter. Bei neuen Unruhen nach der umstrittenen Wiederwahl von Präsident Kibaki starben mindestens 13 weitere Menschen. Journalisten von Reuters sahen in einer Hochburg der Opposition in einem Slum der Hauptstadt Nairobi nach Kämpfen zwischen Demonstranten und Polizisten sieben Leichen. Im Südwesten des Landes kamen bei Kämpfen rivalisierender Volksgruppen Behördenangaben zufolge vier Menschen zu Tode. Aus der Hafenstadt Mombasa meldeten die Gegner Kibakis den gewaltsamen Tod eines Mannes.

Die Opposition wirft Kibaki vor, die Präsidentenwahl vom Dezember gefälscht zu haben. Bei Kämpfen zwischen Anhängern Kibakis und seines Herausforderers Odinga sind seit Ende Dezember bislang mehr als 600 Menschen getötet worden.

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