Festnahme bricht den Widerstand gegen die Besatzungstruppen nicht – In Tikrit feiern nur die US-Soldaten
USA: Anschlagsgefahr nicht gebannt

Auch nach der Festnahme des ehemaligen irakischen Präsidenten Saddam Hussein werden die Rebellen-Anschläge im Irak nach Worten des US-Oberbefehlshabers im Irak, Ricardo Sanchez, nicht enden.

mbr/HB BAGDAD. „Wir rechnen gegenwärtig nicht damit, dass wir eine vollständige Beendigung dieser Angriffe erleben werden“, sagte Sanchez am Sonntag vor der Presse in Bagdad.

Sonntag Morgen, noch vor Bekanntgabe der Festnahme Saddams, sind in Chalidijah im Westen des Landes mindestens 17 Menschen durch eine Autobombe getötet worden.

Dabei hatten die USA gehofft, mit der Festnahme Saddams Ruhe zu stiften. Bereits im Sommer war die Suche weiter verschärft worden. Die Gefangennahme Saddam Husseins sei „die Schlüssel-, nicht eine akademische Frage“ für die weitere Stabilisierung des Iraks, hieß es im einflussreichen amerikanischen Strategieinstitut Stratfor.

Es ist sogar möglich, dass ein Großteil der Saddam noch verbliebenen Kämpfer seiner Fedayin – die Amerikaner schätzen sie auf 5 000 Mann – nun den Widerstand gegen die Besatzer tatsächlich einstellt. Doch ein Ende der Anschläge ist kaum zu erwarten, denn die große Mehrheit ist sowohl gegen Saddam als auch gegen ausländische Okkupanten. „Sie haben uns ein Ende des Terrorregimes versprochen. Bisher haben sie uns dafür aber nur weitgehende politische Unmündigkeit, Verschiebung von Wahlen, Ausgangssperren, den totalen Verlust der Sicherheit und ständige Stromausfälle gebracht“, sagt der Bagdader Politologe Ashraf Al-Sayed. „Wen wundert es, dass die Iraker die Amerikaner wieder loswerden wollen?“

Dennoch: Die Iraker sind in den allermeisten Landesteilen erleichtert, sie glauben nun nicht mehr an eine Rückkehr der Diktatur. Nur in Saddams Heimatstadt Tikrit waren es allein die US-Soldaten, die feierten. Viele Iraker sprachen indessen von Verrat. „Heute ist der Tag, an dem der Irak besiegt wurde, nicht im April“, sagte dagegen ein Friseur mit Bezug auf den Sturz Saddams und die Einnahme Bagdads am 9. April. In der sunnitischen Stadt blieb es ruhig. Nur wenige Menschen waren auf der Straße. Die meisten Geschäfte waren geschlossen.

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