Festnahme nach Anschlag auf Bardo-Museum
Attentäter kam im Flüchtlingsboot nach Italien

Zwei Monate nach dem Anschlag auf Tunesiens berühmtestes Museum mit 22 Toten hat die Polizei offenbar den dritten Attentäter verhaftet. E inen Monat vor der Tat war er nach Italien gekommen – in einem Flüchtlingsboot.
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RomZwei Monate nach dem Terroranschlag auf das Bardo-Museum in Tunesien ist ein mutmaßlich Beteiligter in Italien gefasst worden. Der 22-jährige Marokkaner sei am Dienstagabend in Gaggiano nahe Mailand in der Wohnung seiner Mutter verhaftet worden, berichtete die Staatsanwaltschaft Mailand am Mittwoch. Ihm werde zur Last gelegt, den Anschlag vom 18. März mit 22 Toten mitorganisiert und verübt zu haben, sagte Ermittler Bruno Megale.

Der Verdächtige kam einen Monat vor der Tat in einem Flüchtlingsboot in das südeuropäische Land. Die Behörden hätten seine Ausweisung angeordnet, teilte die italienische Polizei am Mittwoch mit. Unklar sei, ob und wann der 22-jährige Marokkaner nach dem Ausweisungsbeschluss vom 17. Februar Italien verlassen hat. Anti-Terror-Ermittler Bruno Megale sagte lediglich, der Marokkaner sei am 17. Februar in Porto Empedocle identifiziert und seine Ausweisung angeordnet worden. Gegner der Aufnahme von Bootsflüchtlingen in Italien haben immer wieder erklärt, dass in den Flüchtlingsbooten auch Terroristen ins Land.

Zu dem Anschlag in Tunesien hatte sich die Terrormiliz Islamischer Staat bekannt. Unter den 22 Opfern befanden sich 17 ausländische Touristen, darunter vier Italiener. Danach fahndete die Behörden nach einem dritten Tatverdächtigen, der auf dem Video einer Überwachungskamera des Museums zu sehen gewesen war. Der Gefasste könnte nun dieser Mann sein. Die beiden anderen mutmaßlichen Täter waren von Sicherheitskräften erschossen worden.

Der gefasste Tatverdächtige war der italienischen Polizei bisher nicht aufgefallen. Die Polizei konnte den Mann jetzt identifizieren, weil seine Mutter kurz nach der Attacke in Bardo gemeldet hatte, dass sein Reisepass verloren gegangen sei.

Der tunesische Haftbefehl gegen den Marokkaner lautet unter anderem auf vorsätzlichen Mord, Verschwörung gegen die innere Sicherheit des Landes und Zugehörigkeit zu einer Terrororganisation, wie Megale auf einer Pressekonferenz weiter mitteilte.

Die Angreifer hatten am 18. März zunächst auf Besucher geschossen, die vor dem Gebäude in der Hauptstadt Tunis aus Reisebussen ausstiegen. Anschließend drangen sie offenbar ungehindert in das Museum ein und töteten dort weitere Menschen, bevor zwei von ihnen in einer Schießerei mit der Polizei selbst starben.

Die tunesischen Behörden nahmen in den Wochen nach dem Anschlag mehrere Menschen fest. Doch das Innenministerium erklärte, der Drahtzieher der Attacke sei noch auf der Flucht. Es wird geschätzt, dass rund 3000 Tunesier in Syrien und dem Irak an der Seite des IS kämpfen. Die beiden getöteten Attentäter waren zuvor in einem Militärcamp in Libyen ausgebildet worden.

Das Bardo ist das größte Museum des Landes und ist vor allem für seine Sammlung römischer Mosaike bekannt. Es beherbergt 8000 Kunstwerke und zieht jedes Jahr viele ausländische Touristen an.

Agentur
ap 
Associated Press / Nachrichtenagentur

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  • Was muß ich hier schlimmes lesen, wir müßen alle an unserer Willkommenskultur arbeiten. Das ist nur ein bedauerlicher Einzelfall, hat was mit kultureller Herkunft zu tun und so.
    Nehmen wir uns ein Beispiel an Herrn Gauckler, er hats drauf, weiß wie es geht, auch die Grünen/innen kommen mit denen klar, Antifa und Kirchen sowieso.
    Immer her mit den Facharbeitern,

  • ...über unsere Blödheit?? Lese grad in Focus online: "Syrer begrapschen 13-jährige sexuell in bayerischen Schwimmbad"....ich schätze uns wird allen das Lachen noch vergehen....

  • Ich könnte mich schlapp lachen.

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