Festnahmen überschatten Urnengang
Erste Parlamentswahl in Montenegro seit Unabhängigkeit

In Montenegro haben die Wähler zum ersten Mal seit der Unabhängigkeit des Landes von Serbien ihre Stimmen für ein neues Parlament abgegeben. Die spektakuläre Festnahme von 14 Albanern in der Nähe der Hauptstadt Podgorica überschattete jedoch die Abstimmung.

HB PODGORICA. Die Behörden begründeten ihren Schritt mit der „Vorbereitung eines terroristischen Anschlags“ und wollen zahlreiche Waffen entdeckt haben. Albanische Politiker sprachen von einem „Willkürakt“, der den demokratischen Charakter des gesamten Urnenganges in Frage stelle. Die Albaner stellen die größte Minderheit in Montenegro.

Die rund 480 000 Wahlberechtigten sollen 81 Parlamentarier und die politischen Spitzen in Städten und Gemeinden bestimmen. Regierungschef Milo Djukanovic rechnet mit der absoluten Mehrheit für seine Sozialisten und die mit ihm verbündeten Sozialdemokraten, wie er bei der Stimmabgabe sagte. Bis zum Mittag waren knapp 34 Prozent der Wähler in den Wahllokalen erschienen. Das waren gut ein Fünftel weniger als bei der Abstimmung über die Unabhängigkeit im Mai.

Der 44-jährige Djukanovic, der seit eineinhalb Jahrzehnten die Politik des Landes maßgeblich bestimmt, hatte die Souveränität gegen die Opposition durchgesetzt. Er will die Unabhängigkeit nutzen, um noch einmal den Auftrag zur Regierungsbildung zu bekommen und Montenegro in die Europäische Union (EU) zu führen.

Die Opposition hat sich das Ende der politischen Karriere von Djukanovic auf die Fahnen geschrieben. Sie bezichtigt ihn, gemeinsam mit wenigen zwielichtigen Geschäftsleuten Montenegro durch Krieg, Schmuggel und Kriminalität ausgebeutet zu haben. Bei einem Wahlsieg sollen die Vermögen dieser Unternehmer auf den Prüfstand kommen und die umstrittenen Privatisierungen rückgängig gemacht werden. Es gehe um die „Beseitigung des letzten autokratischen Regimes in Europa“.

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