Fethullah Gülen
Der Erdogan-Erzfeind

Der türkische Präsident Erdogan hat den Drahtzieher des Militärputsches schnell ausgemacht: Sein Ex-Verbündeter Fethullah Gülen, der in den USA lebt. Plausibel erscheinen die Anschuldigungen auf den ersten Blick nicht.

Glaubt man dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan, wurde der Staatsstreich gegen ihn tausende Kilometer entfernt geplant – in Saylorsburg im US-Staat Pennsylvania. Dort lebt auf einem zehn Hektar großen Landsitz der islamische Prediger Fethullah Gülen – einst ein enger Verbündeter Erdogans, inzwischen sein Erzfeind.

Der heute 74-jährige Gülen ging 1999 in die USA, um sich einem in der Türkei drohenden Strafverfahren wegen islamistischer Umtriebe zu entziehen. Aus seinem Exil steuert der Prediger ein globales Netzwerk von Bildungseinrichtungen, Wohltätigkeitsorganisationen und Stiftungen. In seinen Predigten tritt der Geistliche für einen Dialog der Religionen und der Kulturen ein. In der Türkei hat er Millionen Anhänger.

Für Erdogan war er nach dem Wahlsieg seiner islamisch-konservativen AKP Anfang der 2000er Jahre ein wichtiger Mitstreiter, vor allem bei dem Bemühen, die kemalistischen Eliten in der öffentlichen Verwaltung, im Bildungssystem und in der Justiz durch gläubige Muslime zu ersetzen. So kamen „Gülenisten“ an wichtige Schaltstellen des Staatsapparates.

Seit Ende der 2000er Jahre gingen die beiden Männer zunehmend auf Distanz. Gülen kritisierte Erdogans Konfrontationskurs gegenüber Israel. Auch Erdogans Unterstützung für die radikal-islamische Hamas, die ägyptischen Moslembrüder und die Dschihadisten in Syrien stießen bei Gülen auf Missbilligung. 2013 kam es zum endgültigen Bruch: Erdogan beschuldigte Gülen, er habe die Massenproteste gegen die Regierung im Sommer 2013 organisiert, die Ende desselben Jahres aufgekommen Korruptionsvorwürfe gegen ihn lanciert und plane seinen Sturz.

Tausende Anhänger Gülens ließ Erdogan seit Ende 2013 aus dem Staatsdienst und der Justiz entfernen, die Gülen-Bewegung wurde zur „Terrororganisation“ erklärt. Mehrere Gülen nahestehende Medienunternehmen, darunter die größte türkische Tageszeitung „Zaman“, und eine Bank wurden in den vergangenen Monaten unter staatliche Zwangsverwaltung gestellt.

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Gülen lebt zurückgezogen

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