Wladimir Putin ist zur Olympia-Eröffnung in Peking und dennoch überlässt er seinem Nachfolger Dmitrij Medwedjew nicht allein den Kreml. Denn es war Putin, der heute morgen von China aus „Vergeltungsmaßnahmen“ gegen Georgien ankündigte und somit Medwedjew politisch an den Rand drängte.
Dennoch wird der heute Nacht begonnene Krieg in Georgien zur Feuertaufe für Medwedjew: Denn Putin macht Russland durch seine markigen Äußerungen endgültig zur Partei im Kampf zwischen Georgien und seiner nach Loslösung strebenden Provinz Süd-Ossetien. Und Medwedjew muss sich nun fragen, ob er sich wirklich zum Kriegsherrn machen lassen will.
Denn dass der Einmarsch georgischer Truppen in Südossetien ein Krieg wird, ist ganz unzweifelhaft: Nach tagelangen blutigen Scharmützeln scheint Georgiens Präsident Michail Saakaschwili nun entschlossen, die abtrünnigen Osseten wieder unter seine Fittiche bekommen zu wollen. Die aber werden sich erbittert dagegen wehren.
Georgien hat beim Auseinanderbrechen der Sowjetunion schon einmal nach monatelangen und schweren Gefechten einen Krieg verloren nach anfänglichen territorialen Gewinnen verloren - damals ging es um Abchasien. Und auch jetzt drohen die Abchasen ihrerseits mit Krieg gegen Tiflis, denn auch sie wollen raus aus Georgien.
Aber nicht nur von dieser Seite droht Gefahr: Das Schlimmste, was jetzt passieren kann, ist die Konfrontation zwischen Russland und dem Westen. Denn Russland hat sich zur Schutzmacht der Osseten und Abchasen aufgeschwungen und Georgien sucht sein Heil im Westen.
Das Land will in die Nato und in die EU. Nun muss der Westen, egal ob er will oder nicht, Stellung beziehen. Und so wird der Krieg in Georgien nicht nur zur Feuerprobe für Medwedjew, sondern vor allem auch für den Westen: Kann er einen Heißsporn wie Saakaschwili bremsen, ohne gleich ein ganzes Land mit seinem Loslösungswillen aus den Fängen des Kreml zu verraten?

