Fiktive Prozess-Vorschau auf ein Sondertribunal
Wie verteidigt man Saddam Hussein?

Morgen beginnt der Saddam-Prozess. Die Juristen geben Einblicke in ihre Strategien. Parallel dazu hat das Handelsblatt Experten befragt, wie die mögliche Replik der Staatsanwälte aussehen könnte. Das Ergebnis ist ein fiktiver Prozessauftakt, der zeigt, wo die entscheidenden juristischen Fragen in diesem Verfahren lauern.

In Dedscheel sind über mehr als 20 Jahre keine neuen Straßen mehr gebaut worden, und aus den Wasserhähnen der schiitischen Stadt im Irak kam irgendwann nur noch braune Brühe. „Wer sagte, ich stamme aus Dedscheel, wurde von den Behörden wie ein Aussätziger behandelt“, erinnert sich ein junger Iraker an die Jahre nach 1982.

Damals besuchte der irakische Machthaber Saddam Hussein die von Palmenhainen und Obstplantagen umgebene Kleinstadt nördlich von Bagdad. Im letzten Moment wechselte der Diktator das Auto, und ein geplantes Attentat schlug fehl. Schiitische Verschwörer hatten Rache nehmen wollen für die Ermordung eines ihrer Geistlichen. Saddam aber überlebte und schickte seine Truppen. Mehr als 140 Männer und Jugendliche wurden später hingerichtet, Überlebende sprechen von Massenvergewaltigungen und Folter.

Wenn am Mittwoch im Irak der Prozess gegen Saddam Hussein beginnt, geht es zunächst weder um die vielen Kriege mit den Nachbarstaaten noch um die Feldzüge gegen Kurden und Schiiten, die der Gewaltherrscher einst angezettelt hatte. Vielmehr wird vor dem Sondertribunal, dem „Iraqi Special Tribunal for Crimes Against Humanity“, zuerst das Massaker von Dedscheel verhandelt.

Um ein endloses Verfahren wie in anderen Kriegsverbrecherprozessen zu vermeiden, will sich die Anklage auf konkrete Fälle konzentrieren. Erst in möglichen späteren Verfahren soll sich Saddam für weitere Verbrechen verantworten: etwa die Morde an politischen Rivalen oder den Einsatz von Giftgas.

Bei einer Verurteilung droht dem seit 22 Monaten inhaftierten Tyrannen die Todesstrafe, denn die neue irakische Regierung hat die von den US-Truppen ausgesetzte Todesstrafe wieder eingeführt. Das oberste Ziel der Verteidiger lautet deshalb: den Tod Saddams durch den Strang zu verhindern.

Wie aber verteidigt man einen Massenmörder vor Gericht? Raghad Kamal, die älteste Tochter des angeklagten Ex-Diktators, leitet von der jordanischen Hauptstadt Amman aus das Verteidigungsteam. Eigentlich müsste sie allen Grund haben, ihren Vater zu hassen. Er ließ in den neunziger Jahren ihren Gatten erschießen, den er ihr zuvor aus machtpolitischen Gründen aufgezwungen hatte.

Seite 1:

Wie verteidigt man Saddam Hussein?

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%