Filippo Grandi
Dänin verliert Rennen um Posten als Flüchtlingskommissar

Dass Menschen aus ihrer Heimat vertrieben werden, ist nicht neu. Noch vor Gründung der Uno gab es deshalb schon den Flüchtlingskommissar. Nun wird das Amt neu besetzt. Dabei spielt auch Merkels Politik eine Rolle.

New YorkDer italienische Diplomat Filippo Grandi wird neuer Hoher Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen (UNHCR). UN-Generalsekretär Ban Ki Moon informierte am Mittwoch die Vollversammlung in New York, dass der 58-Jährige Nachfolger des Portugiesen António Guterres werden soll. Dessen zehnjährige Amtszeit läuft Ende des Jahres aus. Grandi muss noch von der Vollversammlung der 193 UN-Mitgliedsstaaten bestätigt werden, das gilt aber als Formsache.

Auch Dänemarks Ex-Ministerpräsidentin Helle Thorning-Schmidt hatte auf den Posten gehofft. Doch UN-Diplomaten zufolge entschied sich Ban in der schwersten Flüchtlingskrise seit dem Zweiten Weltkrieg gegen sie, weil sie bis zu ihrer Wahlniederlage im Juni als dänische Regierungschefin für einige der restriktivsten Zuwanderungsgesetze in Europa mitverantwortlich gewesen sei.

Ban habe eine Zuwanderungspolitik wie in Dänemark und anderen europäischen Staaten nicht unterstützen wollen, sagte ein Diplomat. Er unterstütze vielmehr die Flüchtlingspolitik von Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Grandi ist seit langem mit den Uno vertraut. Seinen ersten Posten bei den Vereinten Nationen hatte er 1988 - beim UNHCR. Er war später Chef der UNHCR-Mission in Afghanistan und Stabschef im Hauptquartier in Genf. In den letzten zehn Jahren arbeitete er für das Palästinenserhilfswerk UNRWA.

Grandi übernimmt das Amt von Guterres in einer schwierigen Zeit. Derzeit sind nach UN-Schätzungen weltweit 60 Millionen Menschen vor Krieg, Gewalt und Vertreibung auf der Flucht. Der UNO zufolge übersteigt die Zahl noch die der Schutzsuchenden während des Zweiten Weltkriegs.

Der UNHCR ist einer der wichtigsten Posten der Vereinten Nationen und älter als die 1945 gegründete Organisation selbst. Erster Flüchtlingskommissar, damals noch mit Mandat des Völkerbundes, war von 1922 an der Polarforscher Fridtjof Nansen, der für seine Bemühungen um Flüchtlinge 1922 den Friedensnobelpreis bekam.

dpa 
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