Fillon-Besuch
China erklärt Streit mit Frankreich für beendet

China hat die Spannungen mit Frankreich für beendet erklärt. Dabei hatte Frankreichs Ministerpräsident François Fillon zuvor ein Streitthema wieder angeheizt und das Land zur Aufwertung seiner Währung aufgefordert.
  • 0

HB PEKING. Bei einem Treffen mit dem französischen Ministerpräsidenten François Fillon sprach sich Staats- und Parteichef Hu Jintao am Dienstag in Peking für einen umfassenden Ausbau der Beziehungen aus. Beide Länder hätten gemeinsame Verantwortung und „ähnliche Ansichten in vielen internationalen und regionalen Fragen“, zitierte ihn das Staatsfernsehen. Sie müssten „mit heiklen Fragen angemessen umgehen“, mahnte Hu Jintao.

Der dreitägige Besuch des französischen Regierungschefs demonstrierte die Normalisierung in dem lange angespannten Verhältnis. Die Proteste beim olympischen Fackellauf 2008 in Paris gegen Chinas Tibet-Politik sowie das Treffen von Präsident Nicolas Sarkozy mit dem Dalai Lama im Dezember 2008 hatten die Beziehungen auf einen Tiefpunkt fallen lassen. Im Laufe dieses Jahres hatte Sarkozy das Verhältnis mühsam wieder aufgebaut. Die Visite von Fillon ebnet den Weg für den Besuch des Präsidenten im Frühjahr in China.

Am Vortag hatte die französische Luftfahrt- und Atomindustrie anlässlich des Besuches von Fillon verschiedene Kooperationen mit China in einem Umfang von mehreren Mrd. Euro besiegelt. Zwölf Abkommen wurden unterzeichnet. Auch Chinas Ministerpräsident Wen Jiabao hatte seinen französischen Amtskollegen empfangen.

Frankreich mahnt China zur Aufwertung des Yuan

Zuvor hatte Fillon China zu einer Aufwertung des Yuans aufgefordert. Eine Flexibilisierung der heimischen Währung werde Chinas Abhängigkeit vom Export verringern und die heimische Kaufkraft stärken, sagte Ministerpräsident Francois Fillon am Dienstag in einer Rede an einer Pekinger Universität. Der französische Regierungschef sprach sich zugleich für ein stabileres internationales Währungssystem aus, um die bisherigen Ungleichgewichte aufzuheben. Der derzeit schwache Dollar und Chinas an die US-Währung gebundener Yuan spiegelten nicht die wirtschaftlichen Realitäten wider. Eine solche Verzerrung drohe die Hoffnungen für eine engere wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen Frankreich und China zu zerstören.

"Die Krise hat die Grenzen des internationalen Währungssystems offen gelegt", sagte Fillon. "Wir müssen eine schrittweise Veränderung einleiten, damit übertriebene Währungsschwankungen verhindert und falschen Wechselkurs-Entwicklungen vorgebeugt werden kann." Frankreich werde dies zu einem Ziel seines G20-Vorsitzes im Jahr 2011 machen.

China hält seine Währung seit rund eineinhalb Jahren stabil zum Dollar, was seine Exporte verbilligt, ihm aus Sicht des Westens aber auch einen künstlichen Wettbewerbsvorteil verschafft. Die Volksrepublik hat bislang allen Appellen widerstanden, daran etwas zu ändern.

Mehr zum Streit über Wechselkurse lesen Sie hier: Streit um Wechselkurse ebbt nicht ab

Kommentare zu " Fillon-Besuch: China erklärt Streit mit Frankreich für beendet"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%