Finanzbranche
EU-Länder sorgen sich um neue Bilanzregeln

Der europäische Bilanzregelausschuss International Accounting Standards Board (IASB) sorgt für Aufregung in der Finanzbranche. Noch in dieser Woche will das Gremium seine Vorschläge für die Bewertung von Wertpapierbeständen in den Bilanzen von Banken und Versicherern vorlegen. Ein Thema, das jede Menge Zündstoff birgt.

LONDON/FRANKFURT. Schon im Vorfeld zeigen sich die Regierungen in London, Berlin und Paris tief beunruhigt, sie fürchten, dass die Entscheidungen des IASB die durch die Finanzkrise ohnehin angeschlagene Branche weiter schwächen könnten. Im Mittelpunkt der Auseinandersetzungen steht die Reform der Richtlinie IAS 39, die sich mit der Zeitwertbilanzierung befasst. Sie regelt, wie Banken und Versicherer Wertpapiere erfassen. Der Streit dreht sich vor allem um die Frage, wie stark sich aktuelle Schwankungen des Marktpreises in den Ergebnissen der Finanzunternehmen widerspiegeln werden.

Die Vorschriften, die Banken und Versicherer zwingen sollen, ihre Wertpapierbestände möglichst aktuell und marktnah zum sogenannten Fair Value zu bewerten, sorgten in der Finanzkrise für hohen Abschreibungsbedarf und verschärften die Notlage vieler Geldhäuser damit weiter. Während das IASB die Bilanzstandards für Europa und andere Regionen der Welt festsetzt, gelten in den USA die Generally Accepted Accounting Standards (US-Gaap). Das für die Festlegung dieser Bestimmungen zuständige Financial Accounting Standards Board hat bereits im Frühjahr die Anforderungen an Banken und Versicherer bei der Zeitwertbilanzierung erleichtert. Angesichts der Finanzkrise drängen die EU-Finanzminister den IASB-Chairman David Tweedie, ähnliche Erleichterungen auch in Europa zuzulassen. Politiker und Finanzlobbyisten fürchten jetzt allerdings, dass die Vorschläge zu IAS 39 sogar ins andere Extrem ausschlagen, und Banken und Versicherungen das Leben noch schwerer machen. Die neuen Bestimmungen könnten sich noch stärker als bisher an den Marktpreisen einzelner Vermögenspositionen orientieren.

„Das IASB träumt immer noch von einer umfassenden Fair-Value-Bilanzierung“, heißt es in Branchenkreisen. „Die Vorschläge, die bislang diskutiert werden, gehen nicht in Richtung einer Erleichterung.“ Die Branche wolle aber zumindest eine Beibehaltung des Status Quo durchsetzen.

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