Finanzhilfe
Abu Dhabi soll Dubai vor Ruin retten

Das hoch verschuldete Emirat Dubai muss offenbar auf eine umfangreiche Kapitalspritze des Nachbar-Emirats Abu Dhabi zurückgreifen. Experten halten eine solche milliardenschwere Finanzhilfe für dringend notwendig. Das lange von Rekord zu Rekord hechelnde Dubai ist besonders schwer von der Finanzkrise betroffen, leichte Panik bereits spürbar.

DUBAI. "Hinter den Kulissen werden die Strippen für das Rettungspaket gezogen", bestätigte Mohannad Sweid. Der CEO des Innen-Ausstatters Depa verfügt über gute Kontakte zur Regierung und gilt in der diskreten Golfmetropole als seriöse Quelle. Auch aus hochrangigen Bankenkreisen des Emirats verlautet, dass sich der Herrscher von Dubai, Scheich Mohammed, bereits mit seinem Pendant in Abu Dhabi, Scheich Khalifa, getroffen habe. Scheich Khalifa ist gleichzeitig Präsident der Vereinigten Arabischen Emirate, Scheich Mohammed sein Vize.

Experten halten eine solche milliardenschwere Finanzhilfe aus Abu Dhabi für dringend notwendig: "Jede Lösung, die wieder Stabilität bringt, wäre begrüßenswert: Denn derzeit ist der Markt von negativer Stimmung, zum Teil sogar von Panik geprägt", sagt Philipp Lotter vom Moody's-Büro Dubai. Nach den Informationen aus Dubais Finanzkreisen ist Abu Dhabi bereit, bis zu 50 Mrd. Dollar lockerzumachen. Damit soll Dubais Abschwung kurz- und mittelfristig abgefangen werden. Denkbar wäre der Kauf von Aktien großer Unternehmen wie etwa die Bau-Entwicklungsgesellschaft Emaar und der Telekom-Konzern Etisalat, eine Kreditbürgschaft oder die Schaffung eines Fonds.

Vor wenigen Wochen hatte Dubai ein Komitee eingerichtet, das das Verschuldungsproblem des Emirats untersuchen soll. "Der Zweck dieses hochkarätigen Gremiums besteht darin, die Auswirkungen der globalen Finanzkrise auf Dubai zu beleuchten sowie Lösungsmöglichkeiten für einzelne Sektoren wie Immobilien und Banken zu unterbreiten", sagte Nasser Al-Shaikh, Generaldirektor des Finanzministeriums. Nach Angaben von Spitzenbankern wurden dabei auch ausländische Berater angeheuert, die die Chefetagen aller staatlichen und staatlich kontrollierten Firmen unter die Lupe nehmen sollen.

Die lange von Rekord zu Rekord hechelnde Glitzer-City Dubai ist besonders schwer in den Strudel der internationalen Finanzkrise geraten. Jahrelang hatte ein schier grenzenloser Bau-Boom für zweistellige Wachstumsraten gesorgt. Petrodollars aus der Golfregion, Russland und dem Iran hatten immer neue Investitions-Projekte angefacht. Wegen des knappen Angebots und der Politik des billigen Geldes hatten sich die Preise innerhalb von fünf Jahren vervierfacht. Seit dem Crash der US-Bank Lehman Brothers hat sich die Lage jedoch komplett gedreht.

Nachdem der Ölpreis auf den internationalen Märkten zwei Drittel seines Wertes verloren hat sind auch die arabischen Investoren sehr viel vorsichtiger geworden. Hinzu kommt, dass rund 50 Mrd. Dollar an internationalem Kapital aus den Emiraten abgezogen wurde. Daher leiden die lokalen Banken unter einem Liquiditäts-Engpass, die Zinsen schießen nach oben. Dubai, das stark am Tropf von Fremdfinanzierungen hängt, hat nun ein massives Problem.

Die Rating-Agentur Moody's schätzt, dass das Emirat auf knapp 50 Mrd. Dollar Schulden sitzt - rund 103 Prozent seines Bruttosozialprodukts. Allein im kommenden Jahr stünden bis zu 15 Mrd. Dollar zur Refinanzierung an, heißt es in örtlichen Finanzkreisen. Dabei werden die Börse Dubai mit 4,2 Mrd. Dollar und die Bau-Entwicklungsgesellschaft Nakheel mit 3,5 Mrd. Dollar als größte Posten veranschlagt.

Sollte Abu Dhabi den arabischen Vettern in Dubai aus der Klemme helfen, dürfte dies seinen Preis haben. So spekulieren Investmentbanker, dass sich die Nachbarn bei florierenden Unternehmen wie Emirates Airlines einkaufen und möglicherweise eine Fusion mit der heimischen Fluggesellschaft Etihad vorantreiben könnten. Das Verhältnis zwischen den beiden Emiraten ist von heimlicher Rivalität geprägt: Während Dubai stolz auf sein globales Branding und sein Macher-Image ist, setzt man in Abu Dhabi mehr auf langsames, aber nachhaltiges Wachstum.

Michael Backfisch
Michael Backfisch
Handelsblatt / Korrespondent
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