Finanzhilfe
Peking umwirbt Länder Afrikas mit Krediten in Milliardenhöhe

China baut seine Beziehungen zu Afrika weiter stark aus. Pekings Regierungschef Wen Jiabao kündigte gestern weitere Milliardenhilfen für den notleidenden Kontinent an. Doch nicht allerorten stößt der Afrikakurs Chinas auf Zustimmung.
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PEKING. In den kommenden drei Jahren werde man afrikanischen Staaten Kredite im Volumen von zehn Mrd. Dollar zur Verfügung stellen, sagte Wen in Ägypten: „Wir werden Afrika beim Aufbau von Finanzierungsvolumen helfen.“ Die Gelder sollen vor allem der Unterstützung der Infrastruktur und sozialen Projekte dienen, hieß es zum Auftakt eines zweitägigen China-Afrika-Forums im Badeort Scharm El-Scheich.

Die neuen Afrikahilfen hat China damit im Volumen verdoppelt. Beim ersten Treffen dieser Art 2006 in Peking hatte Peking bereits fünf Mrd. Dollar an Krediten sowie einen Schuldenerlass zugesagt. Diese Zusagen würden bis Jahresende erfüllt, erklärte Wen Jiabao gestern.

Peking treibt die Partnerschaft stark voran, denn Afrika ist für die Volksrepublik einer der wichtigsten Rohstofflieferanten und zunehmend auch Absatzmarkt für chinesische Waren. Seit 2001 hat sich das Handelsvolumen etwa verzehnfacht. 2008 stieg es gegenüber dem Vorjahr um fast die Hälfte auf umgerechnet mehr als 67 Mrd. Euro.

Der Afrikakurs der chinesischen Regierung wird im Ausland jedoch auch kritisiert, da sich Peking ungeachtet der Menschenrechtslage in vielen afrikanischen Staaten stark engagiert. Zuletzt sorgte ein Vertrag mit den Militärmachthabern von Guinea für Empörung. Mit dem Geschäft sicherte sich China den Abbau von Rohstoffen im Wert von sieben Mrd. Dollar (4,7 Mrd. Euro). Kritik gibt es auch an sozialen Standards und am Umweltschutz bei chinesischen Projekten in Afrika. Dort ist China inzwischen fast überall präsent. 35 Staaten bekommen bereits Hilfe aus Peking. Die Nachfrage ist groß: Beim China-Afrika-Forum in Ägypten nehmen rund 50 Staaten und rund 700 Unternehmen teil.

Chinas Wirtschaft drohen durch die globale Nachfrageflaute enorme Überkapazitäten. Dieser Überschuss muss vor allem auf Exportmärkten abgesetzt werden. Peking sieht dabei Afrika als einen neuen Großabnehmer, da die meisten anderen Märkte der Welt weitgehend gesättigt sind und unter den Folgen der Krise leiden. Chinesische Firmen seien besser als Westunternehmen aufgestellt, den afrikanischen Markt zu nutzen, sagt Duncan Innes-Ker, China-Analyst in Peking. „Anders als westliche Unternehmen sind sie viel stärker gewohnt auf Märkten zu operieren, auf denen man sehr schnell und flexibel sein muss.“

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