Finanzhilfe
Schweden greift Lettland unter die Arme

Schweden wird Lettland mit einem Zehn-Mrd.-Kronen-Kredit (863,9 Mio. Euro) unter die Arme greifen. Der Kredit für das wirtschaftlich und politisch schwer angeschlagene Land ist Teil des 7,5 Mrd. Euro-Kredits, der Lettland Ende vergangenen Jahres vom Internationalen Währungsfonds IWF und einigen EU-Staaten zugesagt worden ist.

STOCKHOLM. Schweden ist das Land, das den größten einzelnen Kredit für den baltischen Staat zur Verfügung stellt. Das geschieht nicht grundlos: Die drei schwedischen Banken Swedbank, SEB und Nordea haben in Estland, Lettland und Litauen insgesamt umgerechnet 59,8 Mrd. Euro an Krediten vergeben. Nach dem Beinahe-Zusammenbruch der lettischen Wirtschaft und den ernsten Problemen bei den Nachbarn Estland und Litauen fürchten die schwedischen Banken ein rasantes Ansteigen ihrer Kreditverluste in der Region. Immerhin stehen sie zusammen für über die Hälfte des gesamten Kreditvolumens im Baltikum. Das wiederum würde negative Auswirkungen auf Schweden haben, da zumindest Swedbank und SEB bis zu 40 Prozent ihrer Gewinne in den vergangenen Jahren in den baltischen Staaten gemacht haben.

Beide Banken haben wegen der angespannten Lage ihre Hauptaktionäre bereits um Kapitalspritzen gebeten: Swedbank bekam Ende vergangenen Jahres 12,4 Mrd. Kronen zusätzlich, die SEB will 15 Mrd. Kronen über eine Emission einnehmen. Zwischen dem 13. Und 27. März können SEB-Aktionäre für jeweils fünf alte SEB-Aktien können die Aktionäre elf neue Papiere zu jeweils 10 Kronen kaufen, ein Rabatt von rund 40 Prozent gegenüber dem Schlusskurs von Dienstag.

Mit Kapitalspritzen in Form des IWF-Kredits soll auch die Wirtschaft in Lettland wieder stabilisiert werden und der Druck auf die lettische Währung reduziert werden. Alle drei baltischen Länder haben ihre Währungen an den Euro gebunden. In letzter Zeit musste die Zentralbank in Riga allerdings mehrfach intervenieren, da gegen das lettische Lats spekuliert worden war. Eine Abwertung des Lats würde das Land nach Ansicht von Analysten noch tiefer in die Krise stürzen, da rund 80 Prozent aller Kredite in Euro vergeben wurden. Lettlands Wirtschaft ist im vierten Quartal 2008 um 10,5 Prozent geschrumpft, der höchste Rückgang aller EU-Mitgliedsstaaten.

Die prekäre Situation hat wegen des starken Baltikum-Engagements der Banken auch die schwedische Krone schwer unter Druck gesetzt. Sie verlor gegenüber dem Euro in den vergangenen sechs Monaten rund ein Viertel ihres Wertes. Die Unruhe auf den Devisenmärkten liegt auch daran, dass in Lettland im Fahrwasser der wirtschaftlichen Krise auch eine politisch instabile Lage entstanden ist. Die alte Mitte-Rechts-Regierung, die sich mit dem IWF auf Lohnkürzungen von 15 Prozent und eine rigide Rotstiftpolitik geeinigt hatte, trat vor zwei Wochen nach Straßenprotesten zurück. Vermutlich Ende dieser Woche wird Valdis Dombrovskis, der den Regierungsbildungsauftrag erhalten hat, sein neues Kabinett vorstellen. Es wird wieder eine Mitte-Rechts-Koalition.

Analysten befürchten, dass die neue Regierung möglicherweise die Vorgaben des IWF nicht erfüllen will. Doch Dombrovskis hat in ersten Interviews bekräftigt, dass die Abkommen mit dem IWF gelten. Gleichwohl deutete er an, dass gewisse Punkte des Sanierungskonzepts eventuell neu verhandelt werden müssten.

Alle drei baltischen Staaten haben nach ihrer Unabhängigkeit von der Sowjetunion 1991 und dem EU-Beitritt 2004 ein beispielloses Wachstum vorweisen können. Lohnsteigerungen von bis zu 30 Prozent führten vor allem zu einem völlig überhitzten Immobilienmarkt. Infolge der Finanzkrise geriet Ende vergangenen Jahres die zweitgrößte Bank Lettlands, die Parex Bank, in akute Zahlungsschwierigkeiten und musste verstaatlich werden.

Helmut Steuer berichtet für das Handelsblatt aus Skandinavien. Regelmäßig ist er auch in der Ukraine unterwegs.
Helmut Steuer
Handelsblatt / Korrespondent
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