Finanzhilfe
USA betteln Golfstaaten um Geld an

Die Golfstaaten haben trotz sinkender Ölpreise und Hiobsbotschaften von den Börsen immer noch ein Finanzpolster. Das könnte jetzt den Amerikanern zugute kommen. Eine kuwaitische Zeitung berichtet, dass die US-Regierung mehrere Staaten um finanzielle Hilfe in Höhe von 290 Mrd. Dollar gebeten hat.

HB BEIRUT. Mit dem Geld sollen die Auswirkungen der Finanzkrise und der konjunkturelle Abschwung abgefedert werden, schreibt die in Kuwait erscheinende Tageszeitung "Al Seyassah" am Donnerstag. Das Blatt beruft sich dabei auf nicht näher beschriebene "informierte Personen auf höchster Ebene".

Demnach habe Washington Saudi-Arabien um 120 Mrd., die Vereinigten Arabischen Emirate um 70 Mrd., Katar um 60 Mrd. und Kuwait um 40 Mrd. US-Dollar gebeten. Mit dem Geld sollen die angeschlagenen US-Autokonzerne unterstützt werden und zudem eine Reihe von Banken und anderen Unternehmen, heißt es in dem Bericht.

Dass es den Golfstaaten noch verhältnismäßig gut geht, liegt auch an dem Umstand, dass islamische Banken von den Turbulenzen an den globalen Finanzmärkten bisher weitgehend verschont geblieben sind. Denn im Gegensatz zu anderen Instituten investieren diese Banken, die sich am islamischen Recht ("Scharia") orientieren, nur in die "reale Wirtschaft". Derivate und andere spekulative Anlageformen sind tabu. Von den riskanten Immobilienkrediten in den USA waren die islamischen Banken, die vor allem in Malaysia, Saudi-Arabien, Dubai, Kuwait und Bahrain gute Geschäfte machen, nicht betroffen. In den ersten neun Monaten dieses Jahres konnten mehrere dieser Institute deshalb sogar zweistellige Gewinnsteigerungen verzeichnen.

Gleichwohl werden auch die islamischen Banken betroffen sein, wenn die Finanzkrise auf die Realwirtschaft übergreift und auch die Industrie, das Baugewerbe und den Dienstleistungssektor erfasst. Allgemein wird deshalb ein Gegensteuern der Staaten verlangt. Ein Kommentator der arabischen Tageszeitung "Al-Sharq Al-Awsat" erklärte, die Krise sei ein Weckruf für die arabischen Volkswirtschaften.

Dass die Golfstaaten von der westlichen Welt als Helfer in der Not gesehen werden, demonstrierte zuletzt auch der britische Premierminister Gordon Brown. Bei einer Reise in die Golfregion versuchte er, Geld für den IWF einzusammeln, um notleidende Volkswirtschaften das Überleben zu garantieren. Neben China ständen vor allem vermögende Ölstaaten in der Verantwortung, mahnte Brown. Er zeigte sich zuversichtlich, dass der größte Ölexporteur Saudi-Arabien Finanzmittel bereitstellen werde. Browns Rechnung ging allerdings nicht auf. Der saudische Finanzminister Ibrahim al Assaf erklärte am vergangenen Wochenende, sein Land habe nicht die Absicht, dem IWF oder anderen internationalen Institutionen mit zusätzlichen Mitteln unter die Arme zu greifen.

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