Finanzhilfen
Der nächste Krisenstaat heißt Zypern

Die Inselrepublik befindet sich im Strudel des Griechenland-Desasters. Ihre Schwierigkeiten resultieren vor allem aus der engen Verflechtung mit der griechischen Wirtschaft. Das macht Zyperns Banken stark verwundbar.
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Wer bisher von der Zypernfrage sprach, meinte die Teilung der Mittelmeerinsel, deren Norden die Türkei seit 1974 militärisch besetzt hält. Jetzt rückt eine neue Zypernfrage in den Mittelpunkt des Interesses: wie lange kann sich die Inselrepublik, die seit 2004 zur EU gehört, noch ohne Finanzhilfen über Wasser halten?

Das Anfang 2008 der Währungsunion beigetretene Zypern ist zwar mit einem Bruttoinlandsprodukt (BIP) von rund 17,5 Milliarden Euro die drittkleinste Volkswirtschaft der Eurozone nach Malta und Estland. Eine Rettung wäre finanziell zu schultern. Politisch wäre es aber ein verheerendes Signal, wenn Zypern bereits als viertes Land nach Griechenland, Irland und Portugal unter den Euro-Rettungsschirm schlüpfen müsste.

In Gesprächen mit den Führern der politischen Parteien hat Zyperns Staatspräsident Dimitris Christofias am Freitag um Unterstützung für ein Sparprogramm geworben, mit dem er sein Land vor dem drohenden Finanzdesaster zu bewahren hofft. Offenbar mit Erfolg: Wie der zyprische Regierungssprecher am Freitagnachmittag verkündete, hätten die Parteien eine Einigung über das Sparprogramm erzielt.

Bereits am Donnerstag hatte Christofias die zyprischen Gewerkschaftsführer ins Gebet genommen – keine leichte Aufgabe für den in Moskau geschulten kommunistischen Staatschef, dessen „Aufbaupartei des werktätigen Volkes“ (Akel) ihre politische Dominanz im griechischen Süden der geteilten Insel vor allem der Unterstützung der traditionell einflussreichen Gewerkschaften verdankt.

Unter dem Druck wachsender Haushaltsdefizite muss Christofias den gewerkschaftlich straff organisierten Staatsbediensteten harte Einschnitte zumuten. Die Gehälter im Staatsdienst sollen für zwei Jahre eingefroren werden.  Unternehmen und Besserverdiener will Christofias mit höheren Steuern zur Kasse bitten. „Jeder muss etwas beitragen, damit wir das Schlimmste abwenden“, mahnte Christofias. Das Land befinde sich „in einer Notlage“.

So sehen das auch die Experten des Internationalen Währungsfonds (IWF). Zypern stehe „vor beängstigenden wirtschaftlichen Herausforderungen“, heißt es im jüngsten IWF-Bericht. Die Schwierigkeiten resultieren nicht zuletzt aus der engen Verflechtung der zyprischen Wirtschaft mit dem benachbarten Krisenstaat Griechenland. So sind Zyperns Banken dort stark engagiert, was sie nach Einschätzung des IWF „besonders verwundbar“ macht.

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Der Bankensektor galt früher als Stärke der Wirtschaft

Kommentare zu " Finanzhilfen: Der nächste Krisenstaat heißt Zypern"

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  • Unglaublich. Keinen EURO mehr an Griechenland und Zypern. Die Gehälter im öffentlichen Dienst von 50 TEUR sind ja wohl ein Witz. Die Zyprioten sollen verdammt nochmal sparen und nicht unsere Kohle raushauen!
    Verschenkt Zypern doch an die Türkei, die nehmen es gerne zurück und dann läuft es da wirtschaftlich auch wieder!

  • Wieso merken die das erst 3 Jahre nach Griechenland? Wieso hat man nicht schon früher mit der Haushaltskonsolidierung angefangen? Unbegreiflich!

  • Ich haette da noch ein paar Zwergstaaten zu bieten! Fuellt sicher ein paar Tage die Titelblaetter, um von der wirklichen Problemen abzulenken!
    Bravo, die Schreiberlinge machen ihren vorgegebenen Job hervorragend, oder?

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