Finanzhilfen

Der nächste Krisenstaat heißt Zypern

Die Inselrepublik befindet sich im Strudel des Griechenland-Desasters. Ihre Schwierigkeiten resultieren vor allem aus der engen Verflechtung mit der griechischen Wirtschaft. Das macht Zyperns Banken stark verwundbar.
Update: 02.12.2011 - 17:26 Uhr 11 Kommentare
Die Zentralbank in Nikosia - die Hauptstadt Zyperns. Quelle: dpa

Die Zentralbank in Nikosia - die Hauptstadt Zyperns.

(Foto: dpa)

Wer bisher von der Zypernfrage sprach, meinte die Teilung der Mittelmeerinsel, deren Norden die Türkei seit 1974 militärisch besetzt hält. Jetzt rückt eine neue Zypernfrage in den Mittelpunkt des Interesses: wie lange kann sich die Inselrepublik, die seit 2004 zur EU gehört, noch ohne Finanzhilfen über Wasser halten?

Das Anfang 2008 der Währungsunion beigetretene Zypern ist zwar mit einem Bruttoinlandsprodukt (BIP) von rund 17,5 Milliarden Euro die drittkleinste Volkswirtschaft der Eurozone nach Malta und Estland. Eine Rettung wäre finanziell zu schultern. Politisch wäre es aber ein verheerendes Signal, wenn Zypern bereits als viertes Land nach Griechenland, Irland und Portugal unter den Euro-Rettungsschirm schlüpfen müsste.

In Gesprächen mit den Führern der politischen Parteien hat Zyperns Staatspräsident Dimitris Christofias am Freitag um Unterstützung für ein Sparprogramm geworben, mit dem er sein Land vor dem drohenden Finanzdesaster zu bewahren hofft. Offenbar mit Erfolg: Wie der zyprische Regierungssprecher am Freitagnachmittag verkündete, hätten die Parteien eine Einigung über das Sparprogramm erzielt.

Bereits am Donnerstag hatte Christofias die zyprischen Gewerkschaftsführer ins Gebet genommen – keine leichte Aufgabe für den in Moskau geschulten kommunistischen Staatschef, dessen „Aufbaupartei des werktätigen Volkes“ (Akel) ihre politische Dominanz im griechischen Süden der geteilten Insel vor allem der Unterstützung der traditionell einflussreichen Gewerkschaften verdankt.

Unter dem Druck wachsender Haushaltsdefizite muss Christofias den gewerkschaftlich straff organisierten Staatsbediensteten harte Einschnitte zumuten. Die Gehälter im Staatsdienst sollen für zwei Jahre eingefroren werden.  Unternehmen und Besserverdiener will Christofias mit höheren Steuern zur Kasse bitten. „Jeder muss etwas beitragen, damit wir das Schlimmste abwenden“, mahnte Christofias. Das Land befinde sich „in einer Notlage“.

So sehen das auch die Experten des Internationalen Währungsfonds (IWF). Zypern stehe „vor beängstigenden wirtschaftlichen Herausforderungen“, heißt es im jüngsten IWF-Bericht. Die Schwierigkeiten resultieren nicht zuletzt aus der engen Verflechtung der zyprischen Wirtschaft mit dem benachbarten Krisenstaat Griechenland. So sind Zyperns Banken dort stark engagiert, was sie nach Einschätzung des IWF „besonders verwundbar“ macht.

Der Bankensektor galt früher als Stärke der Wirtschaft
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11 Kommentare zu "Finanzhilfen: Der nächste Krisenstaat heißt Zypern"

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  • Unglaublich. Keinen EURO mehr an Griechenland und Zypern. Die Gehälter im öffentlichen Dienst von 50 TEUR sind ja wohl ein Witz. Die Zyprioten sollen verdammt nochmal sparen und nicht unsere Kohle raushauen!
    Verschenkt Zypern doch an die Türkei, die nehmen es gerne zurück und dann läuft es da wirtschaftlich auch wieder!

  • Wieso merken die das erst 3 Jahre nach Griechenland? Wieso hat man nicht schon früher mit der Haushaltskonsolidierung angefangen? Unbegreiflich!

  • Ich haette da noch ein paar Zwergstaaten zu bieten! Fuellt sicher ein paar Tage die Titelblaetter, um von der wirklichen Problemen abzulenken!
    Bravo, die Schreiberlinge machen ihren vorgegebenen Job hervorragend, oder?

  • Also .. Dass Hanselsblatt .. sollte sich doch erkundigen !
    Die groesste "SCHWARZE MATERIE " der zypriotischen Banken und Volkswirtschaft .. sind gar nicht ... die Griechen Bonds .. sondern .. alle die Ferienhauser und Immobilen.. die von Zyprioten an alle moeglichen Auslaender verkauft wurden .. wo aber trotz Barzahlung diese Gelder NICHT zur TILGUNG von Verkaufer - SCHULDEN in zypriotischen Banken verwandt wurde .. aber fuer ueberschwaenglichen KONSUM ..angewannt wurden .. und wo deshalb dass Geld nicht mehr vorhanden ist. Dass ist ein LOCH in der zypriotischen FINANZ-WELT dass viel mal groesser ist ..als der GRIECHISCHE VERLUST ! Von zypriotischer Seite ist dies unter den Teppich gefegt ..und zwar ziemlich lange Zeiit jetzt .. in der HOFFNUNG die ueberschwaengliche PREIS-SETZUNG der zypriotischen Immobilien aufrecht zu erhalten .. weil dass als Collateral in den Assets der zyproptischen Banken verbucht ist .. Dieses LOCH in der zypriotiscehn Volkswirtschaft ist viele male groesser als der 2 - 3 Milliarden schwere Griechen verlust .. und kann auf irgend wie zwischen 5 und 20 Milliarden EURO .. geschaetzt werden .. Alles Gelder ..die ganz einfach nicht mehr vorhanden sind !

  • es wurde doch niemand auf die Idee kommen öffentlich zu behauptet, das christliche Europa solle schneller islamisiert werden. Nicht dass einer dann auf die Idee kommen würde, dass ein EU-Beitrittskandidat, welches sowieso immer nur das macht wie es gefällt, mal eben mit den Iran das Ziel für die nächste Atombombe auswählt und trotzdem nicht verurteilt werden kann weil mehrere Millionen Soldaten des "Volkes" (Ausgezeichnet mit der Erfindung des Jahres 1923) die europäischen Länder bereits die Medien unterwandert haben und nun auch noch den Verfassungsschutz im Visier haben.

    Niemand hat vor sich das Gas vor Zyperns Küsten unberechtigt zu sichern! Niemand! deshalb redet uns ja auch niemand Zypern in den Medien schlecht. Zum Glück sind die Opfer in Zypern nur dumme Schafe in der Herde eines gutmütigen Gottes und keine Moslems.

  • Zum Glück ist es so. Denn sonst könnte niemand schreiben, dass er z.B. die Nazi-Terror-Zelle für FAKE des Verfassungsschutzes hält. Wir wären weiter auf unsere gleichgeschaltete Presse angewiesen, die nur das Gehirn der Menschen waschen will.

  • hier auf der Kommentarfunktion von Handelsblatt Online könnte jeder aus der rechten Szene den Holocaust leugnen Nazi Propaganda betreiben, Hitler verheerlichen und niemand ist da der um dem Spuck ein Ende zu bereiten?!?! H.O. hat jetzt echte Probleme!
    Von wegen nur die im Süden arbeiten schlampig und sind faul. Hier kann sich jeder von der deutschen Verantwortlichkeit ein eigenes Bild malen.

  • bei den zypriotischen banken ist zum grossteil eh nur schwarzgeld angelegt. weshalb sollte sich die allgemeinheit mit solchen solidarisieren und ihnen helfen, die uns die letzten jahre nur hintergangen haben ???

  • So ein unzivilisiertes geschwätz... dass so solche Kommentare überhaupt zugelassen werden....

    Verschuldung des BIP
    Deutschland (83,2%)
    Zypern (60,8%)
    http://epp.eurostat.ec.europa.eu/cache/ITY_PUBLIC/2-26042011-AP/DE/2-26042011-AP-DE.PDF

    Vielleicht ist das Problem die kürzlich entdeckten Erdagsvorkommen, die u.a in der Ausschließliche Wirtschaftszone (AWZ) der Republik Zypern (Süden) liegen.
    http://www.welt.de/politik/ausland/article13588505/Tuerkei-droht-Zypern-in-Streit-um-Gas-und-Gaza.html

    Ausserdem passieren noch andere seltsame dinge auf Zypern die die Wirschaft diesen kleinen Landes schaden (Zypern Einwohner 1.120.489 (2011)).

    http://www.zeit.de/politik/ausland/2011-07/zypern-krise-praesidentenpalast-nikosia

  • Zypern ist ein Drehkreuz für russische Geldwäsche. Wollen wir nun ein weiteres Back-Office der Korruption vor Buchverlusten bewahren ?
    Reicht es nicht, wenn wir die griechischen Steuernomaden in der Schweiz und Luxemburg vor Vermögensschäden bewahren ?

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