Finanzielle Hilfe
Pakistan braucht Milliarden – schnell

Um die wirtschaftlichen Folgen des Kampfes gegen die Taliban zu bewältigen, braucht Pakistan möglicherweise zusätzliches Geld vom Internationalen Währungsfonds (IWF). Zentralbankchef Syed Salim Raza drängt auf eine schnelle Auszahlung von zugesagten Krediten – und sieht den IWF in der Pflicht.

KARACHI. Das Land, das auch mehr als zwei Millionen Kriegsflüchtlinge aufgenommen hat, sei dringend auf Hilfen in Milliardenhöhe aus dem Ausland angewiesen, sagte Zentralbankchef Syed Salim Raza dem Handelsblatt. Die USA und 30 andere Staaten haben Pakistan zwar im April weitere 5,3 Mrd. Dollar zugesagt, das Land wartet aber noch auf die Auszahlung. „Kommt es dabei zu Verzögerungen, dann wird womöglich vorübergehend der IWF einspringen müssen“, sagt Raza.

Die politische Instabilität hat Pakistan schwer geschädigt und zu einem der größten Empfänger internationaler Finanzhilfen gemacht. Nur ein im November bewilligtes Darlehen des IWF über 7,6 Mrd. US-Dollar rettete das Land vor der Zahlungsunfähigkeit. Der Kurs der pakistanischen Rupie war um 30 Prozent eingebrochen, die Devisenreserve fast aufgebraucht, die Inflation lag bei 25 Prozent und der Schuldendienst drohte unbezahlbar zu werden.

Inzwischen sind zwei Tranchen des IWF-Kredits ausbezahlt, und die makroökonomischen Daten haben sich leicht verbessert. Der Kursverfall der Rupie ist gestoppt, die Devisenreserven steigen. Zentralbankchef Raza, seit Januar im Amt, verbucht zudem erste Erfolge im Kampf gegen die Inflation. Er hat der Regierung strengere Auflagen bei der Kreditaufnahme auferlegt. Aktuell sei die Inflation auf 17 Prozent gesunken, sagte Raza. Ziel bis Jahresende seien neun Prozent. Raza erwartet, dass die Wirtschaft im kommenden Fiskaljahr ab 1. Juli um drei bis vier Prozent wachsen wird, nach voraussichtlich 2,5 Prozent Wachstum 2008/09.

Doch der verhalten optimistische Ausblick ist bedroht – durch einen gewaltigen Flüchtlingsstrom im Zuge der Armeeoffensive gegen die Taliban. 1,7 Millionen Menschen haben das Kriegsgebiet im Norden Pakistans verlassen. Hinzu kommen 500 000 frühere Flüchtlinge. Die Regierung hat bisher rund 100 Mio. Dollar Krisenhilfe zur Verfügung gestellt. Das ist viel zu wenig, um eine humanitäre Katastrophe abzuwenden und nicht einmal die Hälfte dessen, was die USA und europäische Staaten bisher an Flüchtlingshilfe zugesagt haben.

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