Finanzielle Lage
Düstere Prognosen machen Irland zu schaffen

Die finanzielle Lage des einstigen Musterschülers Irland spitzt sich zu. Die Rating-Agentur Fitch hat ihre Bewertung für die Länder-Bonität der Republik um gleich zwei Noten auf "AA-" heruntergesetzt. Und auch die Volkswirte der OECD schocken mit einer düsteren Prognose.
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DÜSSELDORF. Vor Jahresfrist erfreute sich Irland angesichts solider Staatsfinanzen noch der Spitzennote "AAA". Die Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) mahnte indessen verstärkte Sparbemühungen auch in politisch heiklen Gebieten wie Gesundheit und Bildung an. Gleichzeitig hob sie aber ihre Konjunkturprognosen für die grüne Insel an.

Fitch-Direktor Chris Pryce begründete die Herabstufung mit dem außerordentlichen Anstieg der Verpflichtungen der irischen Regierung. Sie hat gemessen an der Wirtschaftskraft des Landes enorme Kosten für die Rettung der Banken zu schultern.

Die vom Staat geschaffene Auffanggesellschaft für Risikokredite, Nama, werde voraussichtlich rund 54 Mrd. Euro in die Banken stecken. Das entspreche einem Drittel des Bruttoinlandsprodukts (BIP). "Wir erkennen aber die Entschlossenheit an, mit der die Regierung die fiskalische Konsolidierung angeht", lobte Pryce.

Die OECD wünscht sich hingegen in ihrem veröffentlichten Länderbericht zu Irland noch mehr Entschlossenheit, vor allem zu unpopulären Kürzungen im Gesundheitswesen und in der Bildung. Die irischen Gewerkschaften drohen bereits für den 24. November mit einem großen Streik im öffentlichen Sektor. Schließlich mussten die Staatsangestellten bereits den größten Teil der ersten Sparwelle erdulden.

Der Staatssektor sei aufgebläht und biete Raum für Effizienzsteigerungen, argumentiert die OECD. Anders werde es nicht gelingen, das Haushaltsdefizit wenigstens bei zwölf Prozent des BIP zu stabilisieren.

Immerhin verbesserte die OECD ihre Prognose für das irische BIP von minus 9,8 auf minus 7,5 Prozent für 2009. "Vor 2011 werden wir nicht aus der Rezession kommen", gestand Irlands Finanzminister Brian Lenihan ein. Immerhin zeigte sich ein erster Hoffnungsschimmer am Arbeitsmarkt: Erstmals seit Dezember 2007 sank die Arbeitslosenzahl; die Quote liegt bei 12,5 Prozent.

Dirk Hinrich Heilmann
Dirk Heilmann
Handelsblatt / Chefökonom

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