Finanzinvestoren
Kamel gegen Heuschrecke

Längst führt Großbritannien seine eigene Heuschreckendebatte. Der Streit über die übernahmehungrigen Beteiligungsgesellschaften im Mutterland des Kapitalismus ist eskaliert, seit die Gewerkschaften mit ungewöhnlichen Mitteln gegen Finanzinvestoren zu Felde ziehen.

LONDON. Teifet ist einiges gewöhnt, doch der Auftrag, den der 30-Jährige im vergangenen Frühjahr zu erledigen hatte, fiel wirklich aus dem Rahmen. Teifet ist ein Kamel und gehört einer Agentur im westenglischen Chepstow. An jenem Sonntag im Mai 2006 machte Teifet im Auftrag der Gewerkschaft GMB einen Ausflug in die Hauptstadt London – auf den Rasen vor der Holy Trinity Church im Stadtteil Clapham. Dort musste das Kamel brav dastehen und als lebendige Metapher ein Bibelzitat darstellen: „Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in das Reich Gottes gelangt.“

Teifets Botschaft richtete sich an einen einzigen Kirchgänger: Damon Buffini, Chef von Europas mächtigster Beteiligungsgesellschaft Permira. Die Überraschung beim Kirchgang ist Teil einer bis heute andauernden Kampagne der Gewerkschaft gegen die Übernahme des Automobilclubs AA durch Buffinis Gesellschaft und die Entlassungen danach.

Längst führt Großbritannien seine eigene Heuschreckendebatte. Seit dem mahnenden Auftritt des Kamels ist der Streit über die übernahmehungrigen Beteiligungsgesellschaften im Mutterland des Kapitalismus eskaliert. Die Gewerkschaften nutzen ihr ganzes Gewicht, um die regierende Labour-Partei im Kampf gegen die Heuschreckenschwärme zu mobilisieren. Und sie finden Gehör.

Die GMB setzt den 352 Labourabgeordneten des Unterhauses regelrecht die Pistole auf die Brust. In einem persönlichen Schreiben von Gewerkschaftsboss Paul Kenny heißt es: Es sei an der Zeit, den „unregulierten und unverantwortlichen“ Aktivitäten von Risikokapitalisten „Zügel anzulegen“. Die Abgeordneten sollen von Schatzkanzler Gordon Brown die Änderung der Steuergesetze verlangen. Schluss müsse sein mit Zinsabschreibungen für Schulden der Private-Equity-Fonds, die nichts anderes seien als Steuergeschenke an skrupellose Investoren. GMB-Funktionär Pat Maloney droht sogar: „Wir können den ultimativen Showdown versprechen, politisch und industriell.“

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