Finanzkräftige Umweltlobby
Klimaschutz: Investoren drängen auf Resultate

Eine große Gruppe finanzkräftiger Investoren hat die Staats- und Regierungschefs weltweit aufgefordert, bei den Klimaschutzverhandlungen in Kopenhagen ein Abkommen mit ehrgeizigen Zielen zu beschließen.

BERLIN. Ein substanzieller Fortschritt in der Umweltpolitik bereits im Dezember sei für Finanzanleger wichtig, damit sie den Übergang zu einer emissionsarmen Wirtschaft unterstützen können, heißt es in dem Aufruf, der am Mittwoch in New York veröffentlicht wurde. Derzeit häufen sich Forderungen zum Klimaschutz - doch dieser Aufruf hat Gewicht: Er kommt von 181 Kapitalanlegern, die zusammen 13 Billionen Dollar verwalten.

Hinter der Initiative stehen Finanzhäuser, deren Geschäft direkt von den Folgen der globalen Erderwärmung betroffen ist. Die Initiative wird vor allem von angelsächsischen, skandinavischen und Benelux-Investoren getrieben. Aus Deutschland sind nur die Allianz, Aquila Structured Assets, Deutsche Asset Management und die Landesbank Baden-Württemberg dabei. "Diese magere Beteiligung ist ein Armutszeugnis für den deutschen Finanzplatz", sagt Carlo Jäger, Kapitalmarktexperte des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK).

"Ausländische Investoren befassen sich seit Jahren intensiv mit Klimarisiken und -chancen im Investmentbereich, die meisten deutschen Investoren und Finanzanalysten haben da erheblichen Nachholbedarf", sagt Caspar von Blomberg, Deutschland-Geschäftsführer des Carbon Disclosure Project (CDP). Dahinter steht ebenfalls eine bedeutende Investorengruppe.

Die Finanzinvestoren verfolgen mit Sorge, dass die Verhandlungen über ein Nachfolgeabkommen zum 2012 auslaufenden Kyoto-Protokoll nur schleppend vorankommen. Nicht zuletzt aus eigenem Interesse warnen die Investoren vor den gigantischen wirtschaftlichen und sozialen Risiken des Klimawandels. Der Appell richtet sich direkt an die Verhandlungsführer, damit sie endlich "solide Anreize für umfassende Investmententscheidungen schaffen", erklärt Armin Sandhövel, Umweltexperte der Allianz und Leiter der Finanzinitiative innerhalb des Uno-Umweltprogramms.

Die Investoren müssten nicht nur die Folgen der Erderwärmung finanziell abfedern, sie spielen auch bei der Finanzierung des Kampfs gegen den Klimawandel eine wichtige Rolle. Dafür müssen nach Berechnungen des renommierten britischen Ökonomen Nicolas Stern zwei Prozent des weltweiten Bruttosozialprodukts aufgebracht werden, rund 1,4 Billionen Dollar. Zudem beeinflussen Großanleger viele Unternehmen, betont die Investoren-Gruppe. Dafür seien klare, langfristig zuverlässige Rahmenbedingungen nötig. Bisher werde die Integration von Klimaaspekten in Entscheidungsprozesse durch politische Unsicherheit, schwache Politik und kurze Zeithorizonte verhindert, kritisieren sie.

Das Kopenhagen-Abkommen solle das globale Ziel einer Emissionssenkung um 50 bis 85 Prozent bis 2050 festschreiben. Erstmals unterstützt jetzt eine so große Anlegergruppe die wissenschaftlichen Vorgaben des Weltklimarats. Nach ihrer Ansicht sollten sich die Industriestaaten verpflichten, ihre Emissionen bis 2050 um 80 bis 95 Prozent zu senken - bereits bis 2020 um 25 bis 40 Prozent. Das gäbe Investoren ein größeres Vertrauen, dass rechtzeitig Aktionspläne und glaubwürdige Mechanismen geschaffen werden.

Der Aufruf verlangt auch von den Entwicklungsländern, sich zu Minderungszielen und Aktionsplänen zu bekennen. Das könne die politische Unsicherheit mindern und Investitionen in emissionsarme Techniken ankurbeln. Die Investoren würden ein internationales System begrüßen, das die nationalen Aktionspläne registriert und überwacht und die Länder aktiv unterstützt. Die Politik solle die kostengünstigsten Maßnahmen fördern, insbesondere Energieeffizienz und erneuerbare Energien, heißt es im Forderungskatalog. Regierungen sollten Maßnahmen für einen effektiven weltweiten CO2-Markt unterstützen. Ehrgeizige Verringerungen der Emissionsrechte würden zu Preisen führen, die die Unternehmen zum Handeln bewegen.

Susanne Bergius
Susanne Bergius
/ selbstständige Journalistin
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%