Finanzkrise
Banken drohen noch schärfere EU-Regeln

Die neuen EU-Eigenkapitalvorschriften für Banken könnten schärfer ausfallen als von der EU-Kommission vorgeschlagen. Das geht aus einem Bericht des in der Sache federführenden Europaabgeordneten Othmar KarasIm hervor, der dem Handelsblatt vorliegt.

BRÜSSEL. Karas fordert demnach, dass Banken beim Verkauf eines verbrieften Finanzprodukts zehn Prozent des Risikos in ihren Büchern behalten sollen. Das ist doppelt so viel wie im Richtlinienentwurf der Kommission vorgesehen.

Der Selbstbehalt müsse "substanzieller" sein, damit er als "wirksames Abschreckungsmittel" gegen unvertretbare Risiken wirke, heißt es im Bericht von Karas, der dem Handelsblatt vorliegt. Ziel des Selbstbehalts ist es, dass Banker die mit Finanzderivaten verbundenen Risiken besser prüfen. Der schwunghafte Handel mit Kreditderivaten gilt als Hauptursache der Finanzkrise.

Der Bericht des Österreichers hat große Bedeutung, weil er die Richtung vorgibt für die Meinungsbildung im Europaparlament über die Novelle der EU-Eigenkapital-Richtlinie.

Karas befürwortet darin die im Entwurf enthaltene neue Höchstgrenze für Kredite im Interbankenhandel. Sie stößt bei Bankenverbänden auf scharfe Kritik.

Der Abgeordnete der Österreichischen Volkspartei fordert zudem eine europäische Bankenaufsicht, die nach dem Vorbild der Europäischen Zentralbank dezentral organisiert werden solle. Die EU-Kommission solle dazu bis Anfang 2010 einen Vorschlag machen.

Die jetzt geplanten Aufsichtskollegien für grenzüberschreitend aktive Großbanken könnten nur ein "erster Schritt vorwärts zu einer neuen Architektur für die Bankenaufsicht" sein, schreibt Karas in seiner Stellungnahme. Diese Kollegien sollen jeweils individuell auf eine Großbank zugeschnitten werden. Darin sitzen sollen Bankenaufseher aus all jenen EU-Staaten, in denen die jeweilige Bank aktiv ist.

Ruth Berschens leitet das Korrespondenten-Büro in Brüssel.
Ruth Berschens
Handelsblatt / Büroleiterin Brüssel
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