Finanzkrise
Börse Hongkong: Glitzerfassade zeigt erste Risse

Gespannte Ruhe in Hongkong: Bislang gelten die Banken der Stadt als solide, und auch die lokale Finanzaufsicht hat einen guten Ruf. Doch schwächelnde Konjunktur, steigende Inflation und sinkende Kurse lassen die vielen Kleinanleger der Stadt um ihr Erspartes bangen. Asiens wichtigster Börsenplatz stellt sich auf turbulente Zeiten ein.

PEKING. An Hongkongs Bankentürmen zucken abends die Neonlichter wie eh und je. Doch so normal die lockere Glitzeratmosphäre auf den ersten Blick auch scheinen mag – Taxifahrer, Rentner und Banker, alle diskutieren momentan in den Straßen der Hafenstadt nur ein Thema: Wie schlimm wird die Finanzmetropole von der weltweiten Krise getroffen werden?

Finanzminister John Tsang Chun-wah warnte am Freitag vor einem „Finanzsturm“, der bald über Hongkong hinwegfegen werde. Sein Kollege Matthew Cheung Kin-chung, zuständig für Arbeit und Soziales, spricht bereits öffentlich von neuer Arbeitslosigkeit. „Der Finanz-Tsunami wird weitreichende Folgen haben“, steht für Cheung fest.

Bislang liegt Hongkongs Arbeitslosigkeit seit Jahren bei rund drei Prozent, gelten die Banken der Stadt als solide und hat die lokale Finanzaufsicht einen guten Ruf. „Unser Bankensystem ist gesund und bestens reguliert“, beschwichtigt Börsenchef Ron Arculli die nervösen Anleger. Die heftigen Kursrückgänge, die auch die Börse Hongkong in den vergangenen Tagen erleben musste, seien nicht so dramatisch: „Mit Blick auf den Kursboom im vergangenen Jahr wäre es überraschend, wenn wir nicht so eine Korrektur erleben würden.“

Doch Hongkongs Glitzerfassade zeigt bereits Risse. Die Konjunktur schwächt sich seit einiger Zeit ab, die Inflation liegt inzwischen bei deutlich über sechs Prozent. Und jetzt zittern nicht nur die Millionäre der Stadt, sondern auch viele Kleinanleger bangen um ihr Erspartes. Jeden Tag ziehen bereits wütende Investoren vor die Bank of China und fordern ihr Geld zurück. „Banken = Lügner“, steht auf den Plakaten. Die Anleger sind wütend, weil sie sich von den Instituten beim Kauf von Papieren der inzwischen insolventen Investmentbank Lehman Brothers falsch beraten fühlen.

Die Lehman-Büros, nur einen Steinwurf entfernt, stehen jedoch schon leer. Für einen deutschen Manager, der zusehen konnte, wie die Mitarbeiter der Pleite-Bank mit Kisten, Lampen und Laptops ausziehen mussten, markierte dies einen Stimmungsumschwung in der sonst so pulsierenden Metropole: „Das war kein schöner Moment für Hongkong.“

Auch die Großbank HSBC hat bereits die Streichung von 1 100 Jobs angekündigt, davon rund zehn Prozent in Hongkong. Die Folgen dieser Krise dürften „weit schwerer“ sein als bei der Asienkrise vor gut zehn Jahren, sagt der für Asien-Pazifik zuständige Direktor, Peter Wong Tung-shun.

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