Finanzkrise: Brüssel sorgt sich um Stabilität der Euro-Zone

Finanzkrise
Brüssel sorgt sich um Stabilität der Euro-Zone

Die Finanzkrise in den Ländern der Euro-Zone weckt neue Sorgen um den Zusammenhalt des Währungsgebiets. Weil die Staaten zur Finanzierung milliardenschwerer Rettungspakete neue Schuldenberge anhäufen, sinkt ihre Kreditwürdigkeit. Bisher steht Deutschland noch glänzend da.

BRÜSSEL/FRANKFURT. Nach Griechenland und Spanien haben die Ratingagenturen nun auch die Bonität von Portugal herabgesetzt. Dies erhöht das Risiko, dass sich die Zinsdifferenzen im Euro-Raum weiter vergrößern und die Krise derart verstärkt wird, dass die Politik eingreifen muss.

Jean-Claude Trichet, der Präsident der Europäischen Zentralbank, beeilte sich, Befürchtungen vor einem Auseinanderdriften des Euro-Raums entgegenzutreten: Diese Vorstellung halte er für „unangemessen“, sagte er in Brüssel. Auch die EU-Kommission versuchte zu beruhigen: Ein Aufbrechen des Währungsgebiets werde bereits seit Jahren vorhergesagt, sagte Währungskommissar Joaquin Almunia. „Ich glaube aber nicht, dass das eine realistische Hypothese ist.“

Trotzdem versetzen die wachsenden Zinsdifferenzen in Europa die Brüsseler Behörde in Sorge. Almunia denkt schon seit Tagen laut darüber nach, ob eine gemeinsame Anleihe der Euro-Länder helfen könnte. Das würde die Zinskosten vereinheitlichen und für schwache Länder wie Portugal deutlich drücken. Deutschland müsste dagegen viel höhere Zinsen als derzeit zahlen. Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) wies diese Idee denn auch zurück. Eine Verschlechterung von Kreditkonditionen für deutsche Staatsanleihen könne er nicht billigend in Kauf nehmen, sagte er beim letzten Ecofin-Rat in Brüssel. Schon einige zehntel Prozentpunkte mehr Aufschlag bedeuteten Kosten in Milliardenhöhe.

Doch die Diskussion geht weiter. Statt einen Euro-Bond aufzulegen, solle die EU die Mittel für die Europäische Investitionsbank (EIB) aufstocken, sagt der Europaabgeordnete Udo Bullmann (SPD). Da die EIB über eine Mischfinanzierung verfügt, hätte dies dieselbe Wirkung wie eine Anleihe. Außerdem müsse die EU-Kommission über ein neues, gemeinsames Konjunkturprogramm nachdenken, fordert der Wirtschaftexperte. Allzu viel Zeit dürfe sich die EU nicht mehr lassen, warnt Bullmann: „Die Märkte testen die Euro-Zone aus.“ Ohne aktives Gegensteuern aus Brüssel bestehe die „reale Gefahr, dass die wirtschaftliche Entwicklung sich weiter spreizt.“ Dies würde am Ende auch Deutschland treffen, da ein Großteil der deutschen Exporte in die Euro-Zone geht.

Bisher steht Deutschland allerdings noch glänzend da – zumindest an den Kapitalmärkten. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe gilt seit jeher als Richtschnur für die Entwicklung der langfristigen Kapitalmarktzinsen im 1999 geschaffenen Euro-Raum. Deutschland musste stets etwas weniger Rendite auf seine Anleihen zahlen als die anderen EU-Länder. Das liegt zum einen an der hervorragenden Bonität Deutschlands – und zum anderen daran, dass Bundesanleihen liquide und damit gut handelbar waren.

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